Wilhemshaven nicht behindertengerecht aber behindertenfreundlich

Bei der Restaurierung des Ratssaals wurde an Barrierefreiheit gedacht. Eine kleine Hebebühne ermöglicht es Rollstuhlfahrern wie Siegmund Czachara, die Treppenstufen zu überwinden. WZ-Foto: Lübbe
Wilhelmshaven hat die stärkste Schwerbehindertenquote Niedersachsens. Die Stadt sei zwar nicht an allen Ecken behindertengerecht, aber doch behindertenfreundlich, urteilt der Behindertenbeirat.

Wilhelmshaven – Siegmund Czachara ist auf einen Elek trorollstuhl angewiesen. Der 59-Jährige leidet unter einer Muskel- und Knochenerkrankung. Er gilt als schwerbehindert – so wie rund 10.000 andere Wilhelmshavener auch.
In Wilhelmshaven sind 123 von 1000 Menschen schwerbehindert.
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Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikation hervor. Mit dieser Quote liegt die Jadestadt an der niedersächsischen Spitze.

Für die Belange Schwerbehinderter gibt es den Behindertenbeirat der Stadt, in dem Wolfgang Czachara als Fachvertreter für Rollstuhlfahrer sitzt. Beiratsvorsitzender ist Wolfgang Schwarz. Der Geschäftsführer der Wilhelmshavener Kinderhilfe vermutet: "Ein Grund für den hohen Wert ist sicherlich die demografische Entwicklung in der Stadt.“
Wilhelmshaven wird häufig als "Rentnerstadt“ bezeichnet. Ende des Jahres 2010 waren 24,7 Prozent der Bürger älter als 65 Jahre. Zu den Schwerbehinderten gehören auch viele alte Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind.

Der Grad einer Behinderung wird in Werten von 20 bis 100 gemessen. Wer mit 50 und mehr Punkten bewertet wird, ist schwerbehindert. Das gilt für körperlich, geistig sowie seelisch behinderte Menschen. "In Wilhelmshaven sind das rund 10 000. Wir sprechen also nicht von einer Minderheit“, sagt Wolfgang Schwarz. Er geht sogar davon aus, dass die Zahl in Wirklichkeit noch höher ist. "Viele alte Menschen beantragen gar keinen Behindertenausweis mehr“, sagt Schwarz.

Als behindertengerecht möchte Wolfgang Schwarz die Jadestadt nicht bezeichnen. "Aber sie ist behindertenfreundlich“, sagt er. Denn einiges hat die Stadt in den vergangenen Jahren bereits getan, um den behinderten Bürgern das Leben zu erleichtern. Ein Lob spricht Wolfgang Schwarz den Stadtwerken aus: "Die absenkbaren Busse sind vorbildlich.“
Mehr lesen Sie in der Wochenendausgabe der "Wilhelmshavener Zeitung“.

Für sie recherchiert:

Ihr behindert-barrierefrei Team
Oliver Fleiner und Willi Lang

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ester Diemer
    16. Juli 2019 9:53

    Da wir auch nach einem Ort suchen, an dem wir entspannten Urlaub machen können und die Barrieren im Hotel und im Ort so wenig wie möglich spüren. Da wir das aus unserer Heimatstadt so gar nicht gewohnt sind, klingt ein Zimmer in Wilhelmshaven sehr sympathisch! Einen Behindertenbeirat gibt es bei uns beispielsweise nicht.

    Antworten

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