Wie Inklusion funktioniert

VON SABINE WOTZLAW

Neuss (NGZ). Während NRW das Schlusslicht in Sachen Inklusion bildet, wissen einige Schulen in Neuss, wie sie funktioniert. Ein Rechtsanspruch für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in Neuss jedoch nur bedingt umsetzbar.

Inklusion nennt sich das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. Seit 2009 die Uno-Behindertenrechtskonvention in Kraft trat, müssen Schulen sie anbieten, wenn Eltern es wünschen. Aber kann das funktionieren? Ja, sagen die Schulen, die es praktizieren – bisher sind es acht Schulen in Neuss.

Die Gemeinschaftsgrundschule „Die Brücke“ ist eine der Schulen, die sich der Aufgabe stellen. In 13 von 14 Klassen wird „inklusiv“ gearbeitet. „Einfach ist das nicht“, sagt Sylvia Decker. Die Lehrer müssen die unterschiedlichen Unterrichtskonzepte berücksichtigen. Die Schulleiterin beobachtet jedoch, dass beide – behinderte und nicht behinderte Kinder – von dem Konzept profitieren: „Die behinderten Kinder lernen von den anderen.“ Und auch die Regelkinder erwerben zusätzliche Kompetenzen: „Sie lernen, mit Stärken und Schwächen umzugehen“, sagt Decker, an deren Schule derzeit 50 Kinder mit Förderbedarf unterrichtet werden. Auch die Lehrer profitierten: „Hier gibt es kein Einzelkämpferdasein. Alle lernen im Team zu arbeiten.“

Die Realschule Südstadt gehört zu den Vorreitern in Sachen Inklusion. Dort wird seit mehr als zehn Jahren inklusiv unterrichtet. Derzeit besuchen 33 Kinder mit Förderbedarf die Realschule. „Zum kommenden Schuljahr richten wir noch eine weitere Klasse ein“, sagt Saga Sjölund. „Es gibt zu wenig Schulen in Neuss, die bereit sind, Kinder mit Förderbedarf aufzunehmen“, begründet die stellvertretende Schulleiterin.

Noch bekommt Deutschland und auch NRW schlechte Noten bei der Pflichtaufgabe Inklusion. Die Stadt Neuss ist jedoch sehr bemüht: „Wir möchten, dass jedes Kind die Schule besuchen kann, die es möchte“, sagt Schuldezernentin Christiane Zangs. Ein Grund für die schleppende Umsetzung der Uno-Konvention seien die Finanzen. „Inklusion braucht Lehrer, Konzepte und Geld“, sagt Zangs. „In Neuss gibt es nur wenige Schulen mit Aufzügen. Und es muss eine entsprechende Betreuung da sein“, betont die Schuldezernentin.

Ein Rechtsanspruch für Kinder mit pädagogischem Förderbedarf in Neuss sei nur „bedingt umsetzbar“. „Das Land hat noch einige Hausaufgaben zu machen.“ ähnlich sieht es auch Ursula von Schönfeld, Vorsitzende der Initiative „Gemeinsam leben und lernen“ (Igll). „In den Grundschulen und weiterführenden Schulen sind wir schon relativ weit. Aber Inklusion hört mit der Sekundarstufe I nicht auf. Als nächstes müssen wir uns den Berufsschulen und den Offenen Ganztagsschulen widmen“, sagt sie. Schulamtsdirektorin Christa Banisch: „Wir versuchen, allen Wünschen gerecht zu werden. Im Moment sieht es gut aus.“

Für Sie recherchiert:

Ihr behindert-barrierefrei Team
Willi Lang und Oliver Fleiner

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