Wie bunt und bereichernd Inklusion ist – Neun Veranstaltungen im Kreis Esslingen – vom 4.Mai bis 14.Mai

Wendlingen. Dem Kreisjugendring (KJR) Esslingen sei es schon immer ein Anliegen gewesen, Möglichkeiten der Teilhabe zu schaffen – zum Beispiel für Jugendliche aus sozial benachteiligten Milieus oder aus zugewanderten Familien, sagte KJR-Geschäftsführer Ralph Rieck gestern bei einem Pressegespräch in Wendlingen. Inklusion bedeute, dass jeder Mensch das Recht hat, sich in gesellschaftliche Prozesse einzubringen. „Es ist eine Herzensangelegenheit des KJR, Partizipation für die Menschen zu ermöglichen, die bisher außen vor waren“, betonte Rieck.

Seit im Jahr 2009 in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft getreten ist, „hat sich auch für die Jugendarbeit eine neue Dimension eröffnet“, sagte Rieck. Der KJR startete eine „Inklusions-Offensive“: Zusammen mit mehreren Modelleinrichtungen wurden ein „Inklusions-Index“ und ein Konzept erarbeitet, ergänzte Alfred Kaufmann, stellvertretender KJR-Geschäftsführer. Es gab Fachtagungen und schließlich die Idee, eine gemeinsame Veranstaltungsreihe zu organisieren.

So hat der KJR in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Deizisau, Esslingen, Kirchheim, Lenningen, Ostfildern und Reichenbach die Reihe „Der Inklusion auf der Spur“ ins Leben gerufen. Rund um den 5. Mai, den europäischen Protesttag für Menschen mit Behinderung, gehen in den beteiligten Kommunen zahlreiche Veranstaltungen über die Bühne, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen sollen.

In Kirchheim steht der Dienstag, 6. Mai, ganz im Zeichen des Themas Inklusion: Unter dem Motto „Unsere Stadt durch meine Augen – Die Vielfalt Kirchheims erleben“ gestalten das Mehrgenerationenhaus Linde, die Lebenshilfe Kirchheim, der Kunstverein Kirchheim und der Aktionskreis für Menschen mit und ohne Behinderung einen „Tag der Vielfalt“ auf dem Marktplatz. Von 12 bis 14 Uhr lädt die Linde zur „wahrscheinlich längsten Tafel Kirchheims“ ein. Alle Interessierten können sich für einen Euro vegetarische Maultaschen schmecken lassen, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammen kochen und servieren. Teller und Besteck sollte man mitbringen.

Von 12 bis 16 Uhr gibt es unterschiedliche Mitmach-Aktionen für Groß und Klein. Und um 17 Uhr wird die Fotoausstellung „Unsere Stadt durch meine Augen“ im Rathaus eröffnet, bei der Menschen mit und ohne Behinderung ihre Bilder präsentieren. Mit dem Vortrag „Inklusion, was ist das?“, führt Prof. Dr. Thomas Meyer von der Dualen Hochschule Stuttgart in das Thema ein. Die Band „Die Wüstenblumen“ sorgt für die musikalische Umrahmung.

Drei Veranstaltungen gibt es außerdem in Lenningen, auf die sich Heike Deigendesch von der Jugendarbeit Lenningen, Erkenbrechtsweiler und Owen schon jetzt freut. So steigt am Mittwoch, 7. Mai, ab 18 Uhr im Café Olé beim Bildungszentrum in Oberlenningen ein Filmabend, den die Zuschauer selbst gestalten: Aus drei Filmen rund um das Thema Inklusion können sie ihren Favoriten auswählen. Die Filme sind für Kinder ab sechs Jahren geeignet.

Am Mittwoch, 14. Mai, kommt dann ab 9 Uhr das „aus:sicht mobil“ an die Grundschule in Oberlenningen. Unter anderem anhand von Simulationsbrillen und Augenbinden erklären blinde und sehbehinderte Menschen, wie sie sich im Alltag zurechtfinden.

Ein Highlight wird sicherlich die Veranstaltung „Rugby auf vier Rädern“ sein, bei der man am Donnerstag, 8. Mai, um 18 Uhr in der Sporthalle beim Feuerwehrhaus in Unterlenningen die Profi-Rollstuhlmannschaft „Donauhaie Illerrieden“ live erleben kann.

Nach dem Spiel der Profis können sich Interessierte selbst in den Rollstuhl setzen und versuchen, unter Anleitung den Ball über die Torlinie zu bringen. „Rollstuhl-Rugby ist ein harter Sport“, sagte Thomas Schuwje aus Oberlenningen, Spieler und Trainer der „Donauhaie“. „Man kann ihn mit Autoskooter vergleichen. Fingerbrüche kommen da schon mal vor“, ergänzte er schmunzelnd. Doch der Oberlenninger beruhigte auch: „Rollstuhl-Rugby ist ein taktisch geprägtes Spiel und sieht schlimmer aus als es ist.“ Schuwje hofft, dass sich am 8. Mai so viele Interessierte wie möglich – egal, ob mit oder ohne Behinderung – in der Sporthalle einfinden.

„Echt klasse“ findet der Oberlenninger, dass der KJR die Veranstaltungsreihe initiiert. Begeistert ist auch Barbara Ziegler-Helmer, Jugendamtsleiterin des Kreises Esslingen. „Es ist sehr gut, dass sich der KJR des Themas Inklusion annimmt“, betonte sie gestern. Das sei auch deshalb bemerkenswert, weil der KJR nicht speziell in der Behindertenhilfe tätig sei. „Das ist eine Frage der Haltung.“

Auch Frank Baumeister vom KJR betonte: „Es ist unglaublich wichtig, dass sich Organisationen, die nicht aus der Behindertenhilfe stammen, dem Thema Inklusion zuwenden. Denn die Behindertenhilfe kriegt es alleine nicht hin.“ Der KJR sei dafür prädestiniert, ergänzte Baumeister: „Es gibt kaum einen gesellschaftlichen Akteur, der besser dafür geeignet wäre als die Jugendarbeit.“ Der KJR Esslingen sei in diesem Bereich im Bundesvergleich ganz weit vorne, verdeutlichte Baumeister. „Ich bin stolz, hier dabei sein zu dürfen.“

Für Sie recherchiert
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