Wer klaut schon einen Rollstuhl im Stadion?

Wer klaut schon einen Rollstuhl? Niemand, sollte man meinen, doch einer jungen Frau ist genau das passiert. Und doch mit Happy End. Doch von vorn.

Die 35-Jährige junge Frau folgt öfter dem BVB, auch auswärts – doch weil Rollstuhlfahrerplätze so knapp sind, kauft sie sich dann lieber einen normalen Platz, stellt den Rollstuhl hinter dem Block ab und geht an Krücken hoch. So auch vor zehn Tagen beim HSV. Doch diesmal ist der Rollstuhl nach dem Schlusspfiff weg.

Sie wendet sich an den Wachdienst. „Die Leute waren sehr hilfsbereit“, sagt sie: „Ich durfte in der Lounge warten, während die Security im Stadion suchte und bei denen, die rausgingen.“ Allein: kein Rollstuhl. Auf der Heimfahrt wälzt sie schwarze Gedanken über die Niedertracht der Welt, wendet sich aber noch nachts über die offizielle Fan-Seite an die Leute: Hat denn niemand was gesehen?

„Ganz viele Fragen, ob man helfen könne“
Da zeigt sich das Netz von seiner besten Seite. „Es wurde geteilt ohne Ende, es kamen keine Beobachtungen, aber ganz viele Fragen, ob man helfen könne, ob es ein Spendenkonto gibt.“ Irgendwann kommt es auch in Hamburg an, bei zwei Männern mit ausgesprochen schlechtem Gewissen. Sie melden sich über Facebook am dritten Tag danach.

Sie waren’s – die junge Frau ruft sie an. „Sie haben sich beide sofort entschuldigt und gesagt, dass das eine ganz dumme Aktion war. Sie hätten getrunken und einen Spaß machen wollen.“ So groß ist die Reue, dass die beiden sich anzeigen und den Schaden wiedergutmachen wollen. Nur der Rollstuhl ist weg: „Die Polizei ist nochmal dahingefahren, wo sie meinten, dass sie mit ihm waren.“ Doch er bleibt verschwunden bis auf den heutigen Tag.

Den neuen Rollstuhl wird sie nicht mehr stehenlassen
Bald bekommt sie ihren neuen. Eine Spezialanfertigung. Freilich wird sie ihn jetzt „nicht mehr einfach so stehenlassen“. Und hofft auf einen Rollstuhlfahrerplatz beim BVB. Doch sie weiß: Es gibt nur 70. Und, ist die Welt so niederträchtig? „Danach kam der Gedankengang, dass es doch viele vernünftige Menschen gibt. Ich habe so viel Anteilnahme erfahren von Menschen, die mich gar nicht kennen.“

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