Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörung – Das Flimmern ist für rund 40 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich

GIESSEN – (olz). Etwa 600 000 Menschen leiden in Deutschland unter Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, die zunächst nicht lebensbedrohlich ist. Im schlimmsten Fall bildet sich jedoch als Folge ein Gerinnsel, das, ins Gehirn gelangt, einen Schlaganfall auslösen kann. Um schnellstmögliche Hilfe zu bieten, wurde jetzt am Universitätsklinikum Gießen Hessens allererste „Vorhofflimmern-Unit“ eröffnet.

„Die Zahl der Betroffenen nimmt zu in Deutschland. Wir stellen uns darauf ein und bieten den Patienten einen besonderen Service“, sagte Prof. Christian Hamm, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie, bei der Vorstellung. So umfasst die Unit, was sich auf Deutsch mit „Einheit“ übersetzen lässt, vier Betten und jede Menge Technik, die die dauerhafte Überwachung von Vitalparametern wie Blutdruck ebenso ermöglicht wie Ultraschalluntersuchungen oder die Rhythmisierung des Herzens. Untergebracht ist die neue Einheit, die Oberarzt Dr. Jörn Schmitt führt, auf der rhythmologischen Station 1.6.

„Rund ein Drittel der mit Herzrhythmusstörungen in die Notaufnahme eingelieferten Patienten leidet unter Vorhofflimmern. Das zeigt die Bedeutung der Erkrankung im Alltag“, betonte Schmitt. Bereits im Jahr 2000 litten beispielsweise in den USA circa fünf Millionen Menschen an dem Flimmern, bis 2050 werde sich die Zahl verdreifachen. In der Stadt Gießen seien aktuell rund 2000 Menschen vom Vorhofflimmern betroffen, im Kreis 6500 Personen, schätzte Prof. Holger Nef, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie.

Am Vorhofflimmern erkranken Menschen ab einem Alter von 40 Jahren, jedoch besonders häufig in der Gruppe der Siebzigjährigen, so Schmitt. Die Symptomatik bezeichnete er als sehr unterschiedlich. „Es gibt Patienten, die gänzlich ohne Symptome sind. Erst durch den folgenden Schlaganfall wird erkennbar, dass sie unter Vorhofflimmern litten“, erläuterte der Mediziner. Andere zeigten dagegen deutliche Symptome wie Herzrasen, Luftnot oder Schwindel. Besonders an diese Erkrankten richte sich die neue Unit. Die Gefahr: Das Flimmern ist für rund 40 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Dazu Dr. Damir Erkapic, Funktionsoberarzt der Station: „Ein Schlaganfall nach Vorhofflimmern hat die deutlich schlechtere Prognose, denn das Gehirn wird in größerem Maße geschädigt. Deshalb ist eine Primärprophylaxe durch diagnostisches Abklären des Vorhofflimmerns sinnvoll.“

Die Neueinrichtung verkürzt die Wartezeit für diese Patienten erheblich. Bislang seien sie nach der Einweisung durch den Hausarzt in die Zentrale Notaufnahme gekommen, um dort gegebenenfalls auf den diensthabenden Kardiologen zu warten, berichtete Nef. Nun werde die Notaufnahme durch die Unit ausgeklammert. Hausarzt oder Rettungsdienst informieren sie stattdessen direkt, damit Betroffene unmittelbar dort hinkommen, wo sofort ein Kardiologe zur Verfügung steht. „Die Versorgung wird so schneller und strukturierter“, betonte Nef.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Erich Neumann, alias
    28. März 2020 21:18

    Hallo und guten Tag, ich habe einen Arbeitsunfall mit Stromschlag erlitten.
    Mit einem Vorbefund konnte glaubhaft gemacht werden bis zu Unfalltag war mein Herz frei von Vorhofflimmern (VHF). Und mit dem ersten EKG wurde 7 Monate später chronisches VHF dokumentiert.

    Ich erhalte aber keine Unfallrente von der BGHW. Gibt es bei VHF keine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) und somit auch keine Entschädigung?!

    Gibt es einen Versicherten der für VHF entschädigt wurde? Und wo kann ich einen Präzedenzfall lesen?

    Bitte öffnen Sie meine Webseite http://www.unfallmann.de

    Antworten
  • Guten Tag, ich hatte auch dieses Vorhofflimmern, nachdem ich vier mal ins Krankenhaus mußte und erneut eine elektrische Kardioversion eingeleitet wurde, entschied ich mich zu einer Ablation. Die wurde im März 2015 gemacht. Seit dem ist es zwar besser, aber ich bin schnell müde, schnaufe beim Treppensteigen, fühle mich oft schlapp und bekomme immer wieder ein komisches Gefühl in der Herzgegend mit Schmerzen im linken Arm. Wenn ich nachts wach werde und meine Finger ans Herz lege, merke ich immer wieder einen Aussetzer. Habe dann Angst einzuschlaffen und Angst vor einem Schlaganfall. Ich schlucke Tabletten zur Blutverdünnung und wegen Herzrhythmus. Ich leide noch zusätzlich an einer schweren Arthrose und an RLS

    Antworten

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