Tipps Behindertenausweis

Unsere Erfahrung mit dem Behindertenausweis

Ein Schwerbehindertenausweis wird vom Versorgungsamt oder von dem zuständigen Landratsamt ausgestellt, wenn der Grad der Behinderung (GdB) wenigstens 50 beträgt. Er dient dazu, die Behinderung gegenüber Sozialleistungsträgern, Behörden, Arbeitgebern und anderen nachzuweisen.

Als ich im Jahr 1995 das erste Mal in einer Rehaklinik war, kam mein behandelnder Arzt auf mich zu und empfahl mir, doch einen Antrag für einen Behindertenausweis zu stellen.

Noch während meines Rehaaufenthalts bekam ich in der Klinik einen Termin beim Sozialdienst, dessen Mitarbeiter mir den Antrag komplett ausfüllte, sodass ich dann nur noch unterschreiben musste. Der Inhalt dieses Schreibens war mir unbekannt.

Als ich ca. 3 Wochen später wieder zu Hause war, hatte ich bereits Post erhalten. Ich konnte meinen Behindertenausweis auf dem Rathaus abholen und musste nur noch ein Lichtbild dafür besorgen. „Was, so schnell und einfach“, dachte ich mir. Als ich dann ca. 1 Jahr später an einem heftigen Schub litt, der meine Gehfähigkeit stark einschränkte, besorgte ich mir einen Verschlechterungsantrag beim Versorgungsamt. Schon beim Ausfüllen merkte ich, dass es mir schwer fiel meinen Gesundheitszustand richtig zu beschreiben. Als ich dann noch meinen behandelnden Arzt um Hilfe bat und die entsprechenden Berichte dazufügte, dachte ich, nun ist ja alles in Ordnung.

Ca.15 Wochen später erhielt ich dann die Ablehnung meines Verschlechterungsantrags. Super, ich kann kaum noch laufen und kein Prozent mehr wurde anerkannt! Einspruch könne ich ja stellen und gegebenenfalls beim Sozialgericht klagen! Als ich kurze Zeit später wieder mal in der Reha war, erzählte ich das Problem mit dem Behindertenausweis meinem behandelnden Arzt. Wieder beim dortigen Sozialdienst angekommen schilderte ich das Problem der Ablehnung. „Kein Problem, ich schreibe das für Sie“, waren die Worte. Unterschrift! Fertig. 5 Wochen später Termin Bürgeramt: Ausweis ändern lassen! Fertig!

Oliver Fleiner und Willi Lang

Tipp 1: Nie, aber auch nie versuchen den Behindertenausweis selbst zu beantragen. Am besten in der Reha-Klinik mit dem behandelnden Arzt sprechen, dann sich an den Sozialdienst in der Klinik wenden. Noch eine Möglichkeit: zum Neurologen deines Vertrauens gehen, der dich mit deiner Krankheit super kennt und richtig Zeit hat für dich. Ich habe selbst 3 Neurologen verschlissen, bis ich den richtigen gefunden habe.

Tipp 2: Warten mit der Antragstellung, wenn eine Reha geplant ist, denn ein abgelehnter Antrag lässt sich nur bei Verschlechterung wieder neu beantragen. Fragen könnt ihr gerne in unserem Forum beantworten lassen und auch selbst eure Erfahrung mit einbringen. Willi und Oliver


Schwerbehinderung oder nur GdB…

Als ich meinen Antrag auf Schwerbehinderung gemacht habe, war mein Fehler, dass ich den allein gestellt habe. Macht das nie! Auch wenn der Fall noch so klar erscheint! Die ganzen Berichte der Ärzte haben in der Anlage nichts gebracht. Ich habe einen GdB 40 erhalten.

Damit kommt man nunmal nicht weit. Das ist gar nichts. Grundsätzlich wünscht man sich ja nicht unbedingt “schwerbehindert” zu sein.Aber wenn es denn nun so ist und ich schon nicht mehr laufen kann, einen Rollstuhl brauche, dann möchte ich auch alle Nachteilsausgleiche nutzen können. Mit GdB 40 bekommt man ja noch nicht einmal einen Parkausweis. Aus meinem Fehler habe ich gelernt und habe eine nette Dame von der Caritas angerufen, die mir schon bei vielen anderen Dingen behilflich ist. Gemeinsam haben wir Widerspruch eingereicht. Nach mehreren Wochen kam ein Schreiben vom Versorgungsamt, ich solle zur Begutachtung nach München kommen. Gehts noch?Nur mal als Vergleich: Meine Nachbarin mit ihren offenen Beinen hat 100% Ein Bekannter mit Bandscheibenschaden hat 80 % Ein Verwandter dem zwei Finger fehlen hat 60 % Jeder psychisch Kranke hat mindestens 50 % Und ich bekomme 40 bei Pflegestufe II ?? Ich verstand die Welt nicht mehr und habe beim Versorgungsamt angerufen.

Nach ewigem Hin und Her hat man mich dann doch endlichzu der Ärztin durchgestellt, welche diese Begutachtung machen sollte. Ich habe ihr die Lage nochmal geschildert und gefragt ob das denn wirklich sein müsse. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich nach München kommen sollte, ob Sie das Taxi bezahlt, mit Zug kann ich nicht. Sie fragt mich doch tatsächlich warum ich mit dem Zug nicht fahren kann? Erstens weil ich so weite Strecken nicht schaffe, zweitens ist der Umsteigebahnhof in Weilheim gar nicht behindertengerecht, wie soll ich denn durch die Unterführung? – Ja ob ich denn gar nicht mehr laufen könne? – “Haben Sie die Berichte überhaupt gelesen??” Ja Sie müsse sich das nochmals anschauen und sie würde mich anrufen. Angerufen hat natürlich keiner.

Der Termin zur Begutachtung rückte näher und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Also rief ich bei der Caritas nochmal an und die machte Druck im Versorgungsamt. Das sei nun angeblich erledigt und ich müsse in den nächsten Tagen Bescheid erhalten. Habe ich aber nicht. Also rief ich selbst nochmals beim Versorgungsamt an: “Ach ja, gut dass sie anrufen. Sie habe ich ja ganz vergessen.” Klasse. Danke auch. “Ich rufe Sie gleich nochmal zurück.” Ja klar. Kenn ich schon. Doch tatsächlich, eine halbe Stunde später klingelte das Telefon: “Ich habe ihren Antrag vergangene Woche nach Aktenlage beurteilt und allem zugestimmt. Ich habe nur vergessen, sie anzurufen. Tut mir Leid, dass Sie solche Umstände hatten.” Und tatsächlich lag am nächsten Tag schon der Bescheid im Briefkasten. Ein Lichtbild war schnell gemacht und bei der Gemeinde wusste man auch schon Bescheid. Die hatten sogar schon den Parkausweis hergerichtet. Fazit: Nie alleine beantragen. Immer mit einer Sozialstelle wie Caritas, Sozialstation, VdK o.ä. im Hintergrund. Nur das hat Wirkung! Traurig, aber wahr…. Kuisel Tine

Schwerbehindertenausweis- so eine Sache

Die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises ist an sich eine Herausforderung, die man als Betroffnener schon studiert haben muss. Es gibt bestimmte Merkzeichen, die manchmal bewilligt werden, und manchmal eben nicht. Manchmal kommt es sehr darauf an, an welche Mitarbeiter man gerät. Seit mehreren Jahren sitze ich nunmehr schon im Rollstuhl.

Mit den Jahren wurden die Rollizeiten immer intensiver, heute ist das gehen kaum bis gar nicht mehr möglich. Und wenn, dann immer mit der Gefahr auf die Schnauze zu fallen. Manchmal nehme ich das Risiko in Kauf, gerade dann, wenn ich denke, einmal einen guten Tag zu haben. Doch auch diese enden immer häufiger mit einem Besuch in der Notaufnahme. So versuche ich seit bestimmt drei Jahren das aG zu erhalten. Einen Ausweis habe ich schon seit Jahren, deshalb kommt dann eben der Verschlechterungsantrag in Frage.

Im letzten Jahr habe ich wieder solch einen Antrag gestellt. Versuchen schadet ja nicht. Dachte ich. Heute weiß ich es besser. Es hat mich schon zermürbt, gerade weil die Mitarbeiter des hiesigen Versorgungsamtes einfach nicht in die Pötte kommen. Im Sommer wollten die mich mit einem Teilabhilfebescheid abspeisen, und ich sollte in einem beigefügten Zettel das Kreuzchen bei ja geben, dass ich mit dem Bescheid zufrieden bin. Ja zufrieden war ich, dass ich auf 90% hochgestuft wurde und zumindest das B bekam. Ich brauche aber auch das aG, sonst kann ich die dringend benötigten grüne Taxischeine nicht beantragen, um so zumindest ein-zwei Mal raus zu kommen. Also kreuzte ich das Nein an, und fügte das Gutachten des MdKs bei, in dem noch einmal explizit darin stand, dass das gehen deutlich erschwert ist. Letztendlich kam doch die entgültige Ablehnung, den aktuellen Ausweis durfte ich behalten. Das hat mich schon gefreut, ich wüsste nicht was wäre, wenn ich den auch wieder hätte zurückgeben müssen. Letztendlich ist es aber trotzdem so, dass ich auf die Öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin, wenn Schnee liegt, bin ich in meinem eigenen Gefängnis, meiner eigenen Wohnung, weil ich gar nicht mehr rauskomme.

Mein Taxifahrer, der mich dank der Pflegestufe II in die KG bringen darf, weil die KK dem Transportschein zugestimmt hat, packt mich ab und zu mal einfach mit ein, und kutschiert mich freiwillig hin und her. Für mich ist das aber auch keine Lösung, zumal diese Scheine doch gerade für solche Zwecke gedacht sind. Nur dass wir Behinderte nicht so leicht daran kommen. 90% mit Merkzeichen G und B, Pflegestufe II und der Rollstuhl auf den ich dauerhaft angewiesen bin, reichen nicht aus. Dieses Jahr lasse ich jetzt erst einmal alle diesjährigen Anträge laufen, und mache dann erst einmal eine Pause, da mir diese Kämpferei auf Dauer deutlich an die Nieren geht. Die beste Behinderung ist, keine Behinderung zu haben.

Verena Heidak

Bürokratismus total banal

Ja was soll ich sagen…Ich habe seit 2008 MS und inzwischen seit einem Jahr wenig Kraft in den Beinen. Aber genau diese brauche ich nicht nur für mich sondern auch für meine Kinder. Und da ich allein erziehend bin sogar noch etwas mehr. Dabei machen es einem die Ämter dazu noch schwer. Habe mich endlich für einen Rolli entschieden und jetzt geht es uns besser. Der Hammer ist allerdings und das ist zum Haare raufen, das ich lächerliche 30% genehmigt bekommen habe. Habe schon 2x Wiederspruch eingelegt und dann sollte ich jetzt auch noch zum Gesundheitsamt. Mal sehen was passiert. Ach ja und das Arbeitsamt macht auch nur Ärger… Sorry, aber mußte mir mal luft machen.
Gwendolyn Scholz
 Ist ja gar nicht so schlimm!

Bei meinem Behindertenausweis habe ich 060 und G zugesprochen bekommen. Ich habe MS und freue mich, dass es mir so gut geht, d.h. dass ich noch ein paar Schritte gehen kann… Aber Spaß beiseite: wozu kann ich diesen Behindertenausweis verwenden? Was hat er für Vorteile für mich? Ich gebe zu – ab und zu gibt es dadurch verbilligte Eintrittskarten in Konzerte etc. Aber das ist auch schon alles. Denn mein Ausweis enthält eben nicht das aG, H oder BL Kennzeichen. Dafür müsste ich nämlich mindestens einen 60 Grad Behinderung haben oder beinamputiert oder blind sein.

Dass ich nur noch wenige Schritte laufen kann, zählt bei dieser kategorischen Einteilung leider nicht. Es geht schon los, wenn man das mit der Fahrzeug-Kfz-Steueranschaut. Die ist nur verbilligt, wenn man einen Fahrer hat; aber man möchte ja so selbständig sein wie möglich. Also kommt das nicht in Frage. Dann sind da die Behinderten-Parkplätze. Um solch einen Behindertenparkplatz überhaupt in Anspruch nehmen zu dürfen, muss man schon in der Regel „beinamputiert“ sein. (Merkzeichen aG für außergewöhnlich gehbehindert oder BL für blind). Es zählt auch nicht, dass ich für gewöhnlich den Rolli im Auto habe, weil ich zu Fuß einfach nicht mehr sehr mobil bin. Ich muss auf den normalen Parkplätzen parken. Schade, dabei habe ich doch eigentlich meinen Ausweis… Es wäre auch schön, wenn man ganz unkompliziert die Behinderten-Toiletten aufsuchen könnte.

Da gibt es ja so einen genialen „EURO-Schlüssel für behindertengerechte Toiletten“. Leider bekommt man den nur mit mindestens 70 Grad Behinderung oder aG, B, H, BL Kennzeichen. Also auch nichts für mich. Obwohl ich mit dem Rolli unterwegs bin. Viele MS’ler leiden, so wie ich, an einem verstärkten Harndrang; d.h. wenn man mal muss, muss man gleich! Wehe, man muss dann an den normalen Toiletten anstehen. Da wäre der EURO-Schlüssel für eine zugesperrte WC-Türe eine riesengroße Hilfe und Erleichterung. Und so bleibt meine Frage wohl weiter unbeantwortet: wozu dient mir mein Behindertenausweis überhaupt? Eine Frage zum Nachdenken.

Euer Ralf Herrmann

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