Streit um Inklusion ist größer als nötig – weil extreme Fälle im Mittelpunkt des Interesses stehen

Der Streit um Inklusion ist größer als nötig, weil extreme Fällem Mittelpunkt des Interesses stehen. Aber auch im schulischen Alltag stößt Inklusion an ihre Grenzen, die grün-rote Landesregierung sollte daher einen pragmatischen Kurs fahren.

Stuttgart – Inklusion drohe zum Kampfbegriff zu werden, sagt Kultusminister Andreas Stoch. Der Grund dafür sei eine unzureichende Ausstattung der Schulen mit Lehrern. Angesichts dessen dürfte es dem Minister ganz Recht sein, dass der Wegfall der Sonderschul-Pflicht in Baden-Württemberg bislang nicht zu einem Ansturm von Sonderschülern auf die allgemeinen Schulen geführt hat. Denn auch der Südwesten sucht händeringend zusätzliche Sonderpädagogen, ohne die das neue Angebot eine Mogelpackung wäre.

Die Zurückhaltung jener Eltern, die ihr Kind bereits auf einer Sonderschule haben, zeigt aber auch: Inklusion ist kein Allheilmittel. Viele der lernbehinderten Kinder sind – zumindest zeitweise – an einer Sonderschule besser aufgehoben. Die Behauptung fanatischer Inklusionsbefürworter, die Sonderschüler fühlten sich ausgegrenzt, darf als widerlegt gelten. Nur vereinzelt haben Sonderschüler in diesem Sommer aufgrund der neuen Wahlfreiheit die Schule gewechselt.

Alle müssen lernen, was möglich ist. Und was nicht.
Der Streit um Inklusion ist größer als nötig, weil man Inklusion gleichsetzt mit den wenigen Extremfällen, die es gibt. Zum Beispiel den Fall Henri – ein Junge mit Down-Syndrom – der nach Ansicht seiner Eltern unbedingt aufs Gymnasium sollte. Ein Fall für Prinzipienreiter, der bei Kritikern den Verdacht nährte, hier werde eine „Total-Inklusion“ um jeden Preis angestrebt. Die grün-rote Landesregierung ist gut beraten, einen pragmatischen Kurs zu fahren und auch an die große Mehrheit der Eltern zu denken, die ein Recht darauf haben, dass ihre Kinder an der Schule möglichst viel lernen. Spätestens beim Büffeln von Sprachen und Naturwissenschaften stößt Inklusion an ihre Grenzen. Es ist daher gut, dass es erst einmal langsam losgeht. So können alle lernen, was möglich ist. Und was nicht.

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