Stadt Essen befürchtet millionenschwere Kosten-Lawine durch Inklusion

Essen.  von Martin Spletter und Christina Wandt Eine neue Studie zum gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen nennt erstmals Zahlen für die Stadt: Mindestens 18 Millionen Euro werden in Essen investiert werden müssen, wenn ab dem Schuljahr 2014/15 die Inklusion landesweit systematisch eingeführt wird.

Schuldezernent Peter Renzel (CDU) warnt vor den Kosten, die auf die Kommune zukommen, wenn der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen vom Schuljahr 2014/15 an landesweit systematisch eingeführt wird. „Die Inklusion bringt die Städte an die Grenzen ihrer Belastbarkeit – und führt sie darüber hinaus“, sagt Renzel. Wer die Kosten tragen soll, darum ist unter Fachleuten eine landesweite Diskussion entbrannt. Von der Landesregierung gibt es dazu bislang keine klaren Angaben – Begründung: Die Kosten könne man noch nicht ermitteln.

Ein gemeinsames Gutachten der kommunalen Spitzenverbände in NRW (Städtetag, Gemeindebund, Landkreistag) nimmt die Essener Schul-Daten als Beispiel – und kommt jetzt aber erstmals zu einem konkreten Ergebnis: Die Inklusion wird in Essen mindestens 18 Millionen Euro Investitions-Kosten verursachen, wenn man davon ausgeht, dass 65 Prozent der Förderschüler künftig auf Regelschulen gehen sollen.

Wenn die Schulklassen künftig kleiner gehalten werden sollen, werden es sogar 40 Millionen Euro. Das Geld wird vor allem für Umbauten benötigt. Hinzu kommen weitere zwölf Millionen Euro pro Jahr – zum Beispiel für Integrationshelfer, die die Schüler im Unterricht begleiten. Die Integrationshelfer werden von der Stadt bezahlt. Nicht eingerechnet sind die Personalkosten des Landes für die Lehrer.

Inklusion ab 2014 systematisch ausbauen
Das Land will die Inklusion ab 2014 systematisch ausbauen. Wer das bezahlen soll, dazu gibt es noch keine klaren Äußerungen aus Düsseldorf. „Die Gesetzgebung muss noch mal angepasst werden“, mahnt Renzel an. „Das Land muss Standards vorschreiben und diese auch finanzieren.“

„Wenn man eine vernünftige pädagogische Qualität erreichen will, ist das für die Kommune allein überhaupt nicht zu stemmen“, sagt auch Manfred Reimer, schulpolitischer Sprecher der SPD. Die CDU im Rat appelliert an die rot-grüne Landesregierung, sich finanziell nicht „aus der Verantwortung zu stehlen“. Auch Praktiker betonen immer wieder, dass Inklusion nicht zum Nulltarif zu haben ist.

Martin Spletter und Christina Wandt

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