Schlaganfall: …und wenn dann nichts mehr funktioniert – Nicht selten kommt eine Depression hinzu

Für die meisten Überlebenden ist der Schlaganfall ein gravierender Einschnitt: Viele fallen danach in ein tiefes Loch, denn ihnen fehlt eine strukturierte Nachsorge, die sie als ganzen Menschen in den Blick nimmt. Sie versuchen, im Alltag alles so zu machen wie vor dem Schlaganfall – und wenn das nicht mehr funktioniert, sind sie oft hilflos und wissen nicht mehr weiter. Nicht selten kommt eine Depression hinzu.

Großteil der Patienten dauerhaft auf Hilfe angewiesen

Für Schlaganfallpatienten ist daher nicht nur die rasche Akutversorgung in einer spezialisierten Stroke Unit entscheidend, sondern auch langfristig ein umfassendes Behandlungskonzept. 64 Prozent der Überlebenden sind dauerhaft auf Unterstützung, Therapie oder Pflege angewiesen. In der stationären oder ambulanten Rehabilitation finden sie kompetente Ansprechpartner, doch wenn nach drei Monaten die Reha beendet ist und sie in den Alltag entlassen werden, fällt diese Unterstützung abrupt weg. Die Betroffenen benötigen auch nach der Rehabilitationsphase Informationen, Motivation und soziale Kontakte. Doch gerade daran fehlt es oft und stattdessen fühlen sich die Menschen mit ihrer Krankheit allein gelassen.

Privates Umfeld oft überfordert

Hinzu kommt, dass Partner, Kinder und Freunde oft überfordert sind und falsch reagieren, indem sie den Betroffenen zum Beispiel zu schnell Dinge abnehmen – sei es aus Hilfsbereitschaft oder aus Ungeduld. So fühlen sich die Betroffenen schnell an den Rand geschoben oder gar nutzlos. Auf der anderen Seite sind sie in dieser Situation mit organisatorischen Dingen oft massiv überfordert und auf Hilfe angewiesen.

Auch beim Hausarzt finden Schlaganfall-Überlebende meist nicht die Anleitung, die sie sich wünschen und die sie benötigen. Denn dafür sind die Anforderungen oft zu speziell und die Zeit des Hausarztes von durchschnittlich sieben Minuten pro Patient zu knapp. Und bei niedergelassenen Fachärzten warten Schlaganfallpatienten oft sehr lange auf einen Termin.

Selbsthilfegruppen sehr wichtig

Bis der Alltag tatsächlich wieder funktioniert, vergehen oft viele Monate, in denen die Betroffenen nur in kleinen Schritten vorankommen. Gerade in dieser Phase hilft ein Ansprechpartner auf Augenhöhe, zum Beispiel in einer Selbsthilfeorganisation. Hirntraining und vor allem viel Bewegung sind extrem wichtig, um möglichst viel verlorene Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen. Dabei sind ehemals selbst Betroffene, die sich in der Selbsthilfe engagieren, die beste Unterstützung. Sie leisten Hilfe zur Selbsthilfe, hören zu, machen Mut und beantworten Fragen aus eigener Erfahrung, weisen so den Weg zurück in den Alltag.

Um die motorischen Fähigkeiten so weit wie möglich wieder herzustellen, ist Physiotherapie entscheidend. Bei der Diagnose Schlaganfall kann der Arzt innerhalb eines Jahres maximal 30 Mal Krankengymnastik verschreiben. Darüber hinaus müsste der Arzt einen Antrag bei der Krankenkasse mit besonderer Begründung stellen. Umso wichtiger ist es für die Patienten, die Behandlung durch die Physiotherapeuten auch als Anleitung zur Selbstbehandlung zu verstehen und zu Hause täglich selber zu üben – gegebenenfalls mit einem Angehörigen. Mittlerweile gibt es auch vermehrt Übungsgruppen für Menschen nach einem Schlaganfall in Sportvereinen.

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