Schlaganfall: Studien belegen die Wirksamkeit der mechanischen Gerinnsel-Entfernung

Es kommt wie ein Schlag aus heiterem Himmel. Weil ein Blutgefäß verstopft oder geplatzt ist, werden Areale im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und also mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt. Knapp 270 000 Schlaganfälle ereignen sich jährlich in Deutschland.

Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe stirbt jeder fünfte Betroffene innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund die Hälfte der Überlebenden kämpft auch nach einem Jahr noch mit Behinderungen und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung.

Doch moderne Behandlungsmöglichkeiten verbessern nicht nur die Überlebensraten. Sie tragen auch dazu bei, dass die Folgeschäden nach einem Schlaganfall geringer ausfallen, betont Dr. Karsten Alfke, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie an den Schweriner Helios Kliniken. Neueste Studien weisen darauf hin, dass bei einem Verschluss einer großen Hirnarterie eine mechanische Entfernung des Thrombus – also des Gerinnsels, das in der Mehrzahl der Fälle den Schlaganfall auslöst – effektiver ist als die bisher bevorzugte medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels (Lysetherapie).

Bei der mechanischen Thrombektomie wird unter Röntgenkontrolle von der Leiste aus ein Katheter über die Aorta bis zur verstopften Arterie im Gehirn geführt, erläutert Dr. Alfke. Zuvor wurden über eine Kotrastmittel-Darstellung im Computertomografen Lage und Ausdehnung der Schädigung ermittelt. Der Patient wird während des Eingriffs durch einen Anästhesisten überwacht. Bei Bedarf kann eine Vollnarkose eingeleitet werden. Durch den Katheter führt der Neuroradiologe einen Stent, ein winziges Metallgittergeflecht, bis zu dem Gerinnsel. „In seinen Maschen verfängt sich der Thrombus, der dann mit Hilfe eines Saugkatheters herausgeholt werden kann“, erläutert Dr. Alfke. Wenn nötig, werde dieser Vorhang wiederholt – so oft, bis das gesamte Gerinnsel entfernt ist.

Durch dieses Verfahren, das jetzt auch Eingang in die medizinischen Leitlinien zur Behandlung des Schlaganfalls findet, erweitere sich das Zeitfenster für die Notfallversorgung, betont der Schweriner Neuroradiologe. Während die medikamentöse Auflösung des Thrombus nur bis maximal 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall möglich ist, kann eine Thrombektomie auch nach sechs Stunden, unter Umständen sogar noch später erfolgreich sein. Und: Während medikamentös nur Gerinnsel bis zu einer Länge von sieben oder acht Millimetern aufgelöst werden können, gelingt das mechanisch sogar noch bei ein bis zwei Zentimeter langen Thromben, nennt Alfke einen weiteren Vorteil.

Seit sechs Jahren werde das Verfahren häufiger in Deutschland eingesetzt. „Wir sind da im internationalen Vergleich Vorreiter, auch gegenüber den USA“, betont Alfke. „In 80 bis 90 Prozent der Fälle erreichen wir mit der mechanischen Thrombektomie eine Wiedereröffnung des verschlossenen Blutgefäßes“, betont er. Die Patienten würden enorm davon profitieren.

Jetzt sei es wichtig, das Verfahren, das derzeit hauptsächlich von spezialisierten Neuroradiologen angeboten wird, auch in der Fläche bekannt zu machen, so Dr. Alfke. Dazu müsse unter Umständen auch die Rettungskette neu organisiert werden. Und es müsste darüber nachgedacht werden, an den Schwerpunktkliniken mehr Neuroradiologen zu beschäftigen. Mindestens drei Jahre brauche es, bis man das Verfahren sicher beherrscht und auch allein durchführen kann, so Alfke.

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