Rollstuhlfahrer können Kitesurfen, Blinde einen Katamaran segeln

Rollstuhlfahrer können Kitesurfen, Blinde einen Katamaran segeln

Tobias Michelsen ist überzeugt, dass alle Menschen – ob mit Behinderung oder ohne – surfen und segeln können. 2015 hat er im ostholsteinischen Großenbrode eine Wassersportschule eröffnet – für alle. Die Idee dazu kam ihm schon vor 30 Jahren bei einem nächtlichen Surfausflug in Florida. “Ich habe gemerkt, dass ich noch besser bin, wenn ich meine Augen beim Surfen zumache”, erinnert er sich. Daraufhin bringt er an der Florida State University blinden Studenten Wassersport bei. “Sie haben es oft schneller gelernt als Menschen ohne Behinderung, weil sie sich viel mehr auf ihr Gefühl und ihren Körper verlassen.”

Beruflich schlägt Michelsen aber erstmal eine ganz andere Laufbahn ein, wird Kameramann. 1989 zertrümmert der Wassersportler sich dann bei einem schweren Surfunfall auf Fuerteventura den sechsten und siebten Halswirbel, muss notoperiert werden. “Durch ein medizinisches Wunder kann ich noch auf zwei Beinen laufen, sogar Wassersport machen.” Nach dem Ereignis verspürt er den Wunsch, etwas von diesem Glück zurückzugeben, das er bei seinem Unfall auf dem Wasser hatte.

Rollstuhlfahrer können Kitesurfen, Blinde einen Katamaran segeln

Über seinen Verein Sail United bietet Michelsen heute fast alle Wassersportarten an – von Surfen und Segeln über Kajakfahren bis zum Trendsport Stand Up Paddling. Am liebsten arbeitet er in gemischten Gruppen von Menschen mit und ohne Behinderung. Mit seiner inklusiven Wassersportschule möchte Michelsen Aufklärungsarbeit leisten und den Menschen bewusst machen, zu welchen Leistungen auch Sportler mit körperlichen oder geistigen Barrieren fähig sein können. “Diese Momente, in denen Menschen mit Behinderung auf dem Wasser merken, dass sie viel mehr schaffen können, als sie sich jemals selbst zugetraut hätten – das treibt mich jeden Tag an”, berichtet der Surfer.

Mit seinen Ideen und Visionen ist Michelsen bereits an unterschiedliche Segel- und Wassersport-Verbände herangetreten. “Es sollte irgendwann völlig normal sein, dass sich Wassersportlehrer schon in ihrer Ausbildung mit dem Thema Inklusion beschäftigen”, findet er. Der zeitliche und personelle Aufwand sei natürlich viel höher als bei Wassersport-Angeboten für Menschen ohne Behinderung. Aber es lohne sich, betont er. Es brauche schon mal bis zu fünf Personen, um einen Rollstuhlfahrer in einen Neopren-Anzug und aufs Wasser zu bekommen. Die Freude, die die behinderten Menschen dann auf dem Wasser verspüren, sei aber unbezahlbar.

 

 

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