österreich: Querschnittgelähmt im Rollstuhl. Gebhard Kurzweil ist Turnusarzt.

Im Rollstuhl sitzt der Arzt

So leicht kann den Herrn Doktor nichts erschüttern – selbst Medienanfragen ist er mittlerweile schon gewohnt: Gebhard Kurzweil ist Turnusarzt. Allerdings einer, der – nach einem verhängnisvollen Sturz beim Wandern mit 14 Jahren -querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt. Und als solcher, sagt er selbst, sei er so etwas wie eine "Rarität". Nicht nur im Krankenhaus Vöcklabruck in Oberösterreich, wo er seit April 2010 seinen Turnus absolviert.

An sich ist der 36-Jährige ja ein gebürtiger Kärntner. Er stammt aus Kötschach-Mauthen, kam aber mit 15 nach Wien, schloss dort die Handelsakademie ab und begann, Medizin zu studieren. Warum gerade Medizin? Kurzweil bekennt: Die Studienwahl erfolgte nach der Matura "nach einem Ausschlussverfahren . . ."
Studium in Graz

Seinen Doktor machte der Kärntner allerdings nicht in der Bundeshauptstadt – sondern in Graz. 2009 promovierte der angehende Arzt und machte sich dann auf die Suche nach einer Turnusstelle. Keine einfache Sache, das war ihm schon vorher bewusst – unterm Strich waren allerdings auch schmerzhafte Erfahrungen dabei. Dass er etwa daheim in Kärnten keinen Ausbildungsplatz bekommen hat. Oder dass Krankenhäuser zwar Interesse gezeigt hatten, dieses aber schlagartig verloren, als sie draufkamen, dass sie den Lebenslauf nicht oder nicht richtig gelesen und übersehen hatten, dass der Bewerber im Rollstuhl sitzt: Das tut weh. Auch heute noch. "Ich habe gewusst, es wird schwierig, etwas zu bekommen – und es gab tatsächlich ein paar frustrierende Erlebnisse."

Umso mehr freut sich der 36-Jährige, dass ihn das Krankenhaus Vöcklabruck gut aufgenommen hat. Seit April 2010 ist er hier, hat bereits mehrere Stationen seines Turnus hinter sich und arbeitet derzeit auf der Pulmologie. Nach Ende der dreijährigen Ausbildung hofft Kurzweil auf einen Ausbildungsplatz zum Radiologen. Wobei er sich gerne in Vöcklabruck – oder auch in Graz darum bewerben will.
"Voll akzeptiert"

In Oberösterreich fühlt sich der Herr Doktor "gut aufgehoben und voll akzeptiert". Er mache "alle Arbeiten ganz normal und wie jeder andere", und falls er einmal Hilfe braucht, seien die Kollegen da, "da gibt’s keine Probleme", freut sich der 36-Jährige. Auch das Assistieren bei den Operationen "hat sehr gut funktioniert", erzählt er.

Und die Patienten? Reagieren unterschiedlich, aber im Großen und Ganzen "durchwegs positiv". "Manche sind mir gegenüber zu Beginn etwas reserviert, manche gehen auf mich sofort zu", meint Kurzweil. "Aber auch die Zaghafteren fragen mich nach einer gewissen Zeit, warum ich im Rollstuhl sitze, und finden es letztendlich toll, dass ich diesen Beruf ausübe." BEATE PICHLER, GERHARD HüTTNER/OöN

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Ihr behindert-barrierefrei Team
Willi Lang

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich finde es toll, dass der Rollstuhl kein Hindernis war, berufliche Ziele umzusetzen. Ich bin auch manchmal mit dem Krankentaxi in Vöcklabruck unterwegs. Die besonderen Herausforderungen im Rollstuhl sind oft nur nachzuvollziehen, wenn man es selbst erlebt. Wir sollten uns alle für noch mehr Barrierefreiheit einsetzen.

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