Video: Nur ein optimal eingestellter Rollstuhl ermöglicht – RICHTIGES SITZEN –

Sopur Der moderne Rollstuhl_01Die richtige Rollstuhleinstellung ist dabei immer ein Kompromiss zwischen den verschiedensten Anforderungen an den Rollstuhl. Ein gut eingestellter Rollstuhl ist gerade bei der Erstversorgung wichtig, um die individuelle Sitzposition exakt justieren zu können. Jeder Rollstuhlbenutzer sollte daher auch Grundkenntnisse über das richtige Sitzen haben.

Durch den vollständigen oder teilweisen Verlust der Gehfähigkeit ersetzt der Rollstuhl die Funktion der Beine. Deshalb kommt den Fahreigenschaften so eine große Bedeutung zu. Das Sitzen im Rollstuhl ist jedoch genauso entscheidend für das Lebensgefühl und den Alltag eines Rollstuhlfahrers. Die Anatomie und Physiologie eines Menschen ist grundsätzlich auf Stehen und Gehen ausgerichtet. Rumpfstabilität und -mobilität sind ein Schlüssel für Wahrnehmung und Kommunikation. Die Position des Beckens hat zudem eine zentrale Bedeutung auch im Sitzen. Die Möglichkeit, Sitzpositionen zu wechseln, vermeidet Unbequemlichkeit oder Schmerzen. Dauerhaftes Sitzen jedoch überlastet tendenziell Knochen, Bänder, Muskulatur und innere Organe. Viele Rollstuhlnutzer sind nicht oder nur sehr bedingt in der Lage, ihre Sitzposition zu verändern, wenn sie Schmerzen empfinden. Deshalb kommt dem richtigen Sitzen im Rollstuhl eine so große Bedeutung zu. Sitzfläche und Rückenlehne bilden dabei eine Einheit, um dem Becken die notwendige Stabilität zu geben, Überlastungen zu vermeiden und das Lebensgefühl zu verbessern.

Diese Sitzeinheit muss grundsätzlich zwei wesentliche Funktionen erfüllen: Zum einen ist sie die Grundlage aller aktiven Bewegungen im Rollstuhl und damit der Fortbewegung seines Nutzers, zum anderen kommt ihr eine große Bedeutung für eine gesunde Sitzhaltung zu. Die Qualität der Sitzeinheit kann (besonders bei Kindern) im Laufe der Jahre die Entwicklung von Deformationen der Wirbelsäule und von Verkürzungen der Muskeln positiv wie negativ beeinflussen. Dennoch wird dem richtigen Sitzen in der Praxis häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei ist falsches Sitzen eine der häufigsten Ursachen für die verschiedensten Beschwerden bis hin zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen.

Stützfunktion und Druckverteilung bestimmen die Qualität des Sitzens. Sie stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Eine weiche Polsterung (gute Druckverteilung) erscheint dem Nutzer zunächst oft als komfortabel, stützt aber schlecht und ist daher für ein langes, ermüdungsfreies Sitzen eher ungeeignet. Die optimale Abstimmung von Stabilität und Druckverteilung bestimmt die Dauer des beschwerdefreien Sitzens. Diese so genannte Sitztoleranz ist abhängig von der Sitzgeometrie (Rollstuhlanpassung) und der Ausführung der Sitzeinheit. Viele Rollstuhlnutzer sitzen täglich bis zu 16 Stunden in ihren Rollstühlen. Deshalb sollte jeder Nutzer vor der Anschaffung eines Rollstuhls die Sitzeinheit sorgfältig auswählen und prüfen, ob eine Sitzwinkelverstellung (Kantelung) und/oder eine Rückenwinkelverstellung benötigt werden. Nur so können übermäßige Sitzbelastungen und damit letztendlich gesundheitliche Probleme vermieden werden. Die Wahl eines passenden Sitzkissens und eines geeigneten Rückens stellen somit entscheidende Faktoren für ein möglichst beschwerdefreies Sitzen dar.

TIPP
Bei der Beantragung eines Rollstuhls im Allgemeinen und von Sitzhilfen im Besonderen sollte man darauf achten, Begriffe wie „Bequemlichkeit“ oder „Komfort“ zu vermeiden. Solche Kategorien sind in der fixierten Basisversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht vorgesehen.

Die Kosten für „komfortable“ oder „bequeme“ Sitze werden deshalb von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen. Es ist deshalb wichtig, den konkreten medizinischen Nutzen der Sitzeinheit aufzuzeigen (z. B. weniger Gelenk- oder Rückenschmerzen, geringerer Druck auf Muskeln, keine Verspannungen) und auf das „beschwerdefreie Sitzen“ hinzuweisen.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Siegfriewd Vogel
    17. Januar 2022 20:13

    Meine Frau ist halbseitig rechts gelähmt.Mit dem linken Arm kann sie den Rollstuhl nicht am Laufrad bewegen. Sie zieht sich an Handstangen vorwärts.Wo dies nicht möglich ist, versucht sie sich mit dem linken Fuß zu bewegen. Es gelingt auch, doch durch ein stärkeres Sitzkissen kommt sie nur mit der Fußspitze auf den Boden. Die erforderliche Kraft zur Bewegung kann sie so nicht aufbringen. Wie muß der Rollstuhl eingestellt werden, um mit dem Fuß die Bewegung einschließlich Lenkung zu bewerkstelligen. Verspannungen führen zu Fehlbelastung und verursachen Schmerzen.Eine Abbildung konnte ich nirgends finden.

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