Neue Hilfe für Schlaganfall-Patienten

Bei einem Schlaganfall ist es sehr wichtig, so schnell wie möglich zu handeln. Bei dem Gefäßverschluss im Gehirn des Patienten haben Ärzte nur wenige Stunden Zeit, um die Verstopfung aufzulösen. Je später behandelt wird, desto höher sind die Gefahren bleibender Schäden. Dr. André Kemmling vom UKSH Lübeck hat mit seinem Team einen neuen Ansatz entdeckt, der die Diagnose deutlich nach vorne bringen kann.

Wann ist der Schlaganfall passiert? Eine wichtige Information

Häufig brauchen Menschen bei einem Schlaganfall Hilfe und haben niemanden in ihrer Umgebung, und im ungünstigen Fall werden sie erst spät medizinisch versorgt. In anderen Fällen kommt es vor, dass Patienten die Symptome eines Schlaganfalls nicht sofort bemerken – zum Beispiel, wenn er im Schlaf passiert. Für Ärzte ist die Information, wann die Verstopfung eingetreten ist, sehr wertvoll. Mithilfe eines Kernspintomografen (auch Magnetresonanztomograf genannt, MRT) können Mediziner den Hirnschlagbeginn zeitlich gut eingrenzen. Doch die Geräte brauchen zu lange für die Scans und sind nicht überall verfügbar.

Computertomograf und Kontrastmittel

Dr. André Kemmling nutzt für die genauere Diagnose von Schlaganfällen Vorgänge, die schon Routine sind.

Der Lübecker Neuroradiologe Kemmling setzt auf eine etwas simplere Technik, die aber bei jedem Schlaganfall-Patienten sowieso Routine ist: den Computertomograf (CT). Seine Scans sind im Vergleich zu den eines MRT zwar nicht so detailliert, liefern dennoch wichtige Erkenntnisse. “Bei einem Schlaganfall wird der Wasserhaushalt des Hirngewebes gestört”, weiß Kemmling, “und mit dem Zeitpunkt des Gefäßverschlusses fängt das Hirngewebe über die Zeit langsam an, Wasser zu ziehen.” Wasser ströme in das Areal, das wegen des Gerinnsels nicht mehr mit Blut versorgt wird.

Die neue Methode der Lübecker Mediziner besteht darin, im CT gleich auch Kontrastmittel zu spritzen. Das fließt so weit, wie das Blut weit fließt. Die Ärzte können genau sehen, wo und wie viel Wasser sich im Hirngewebe verteilen konnte. Je größer die Wassermenge, desto länger liegt der Hirnschlag zurück. Zusätzlich betrachten die Mediziner die gesunde Seite des Gehirns, messen die Dichte, vergleichen – und können so gut den Moment bestimmen, an dem der Schlaganfall passierte. Diese neue Vorgehensweise ermöglicht eine präzisere und somit sicherere Behandlung. Es kann aber noch etwa ein bis zwei Jahre dauern, bis sie überall angewendet werden kann.

Thrombolyse nicht immer möglich

Als Therapie ist bisher die sogenannte Thrombolyse gängig: Das Blutgerinnsel im Gehirn wird mittels Medikament aufgelöst. Doch das kann nicht in allen Fällen helfen – und manchmal sogar schaden. Hier wird der Wert von Kemmlings Studie deutlich. “Das Medikament ist letztendlich ein extrem starker Blutverdünner”, erklärt Kemmling. “Wenn ich es spritze, wenn das Gehirn schon zu weit geschädigt ist, kann ich dadurch eine lebensgefährliche Blutung auslösen.” Der Arzt müsse also ganz genau wissen, wann die Symptome zeitlich begonnen haben, sagt der Neuroradiologe: “War das vor vier, fünf Stunden? Oder ist das schon sechs, sieben Stunden her? Dann darf ich das Medikament nicht mehr spritzen.” Ist es zu spät für den Blutverdünner, könnte eventuell der “Stent Retriever” zum Einsatz kommen. Das ist eine Methode, mit der die Durchblutung im Gehirn nach einem Schlaganfall wiederhergestellt wird.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich hatte im März 2015 einen Schlaganfall, Herzflimmern und Herzinfarkt bin seither halbseitig, rechts gelähmt,
    kann nicht sprechen trotz wöchentlich dreimal Logopädie. bekomme KG und Ergotherapie.

    Antworten
  • E.-A. WOIWOD, 31595Steyerberg - Voigtei 108
    26. Mai 2017 19:50

    Ich hatte im Dec.2010 einen Schlaganfall und lag 10 Tage im künstlichem Koma.
    Danach war es für mich äußerst schwirig mich wieder zurecht zu finden. Nur mein Hang zum Sport ließ mich an die Zukunft glauben. Ich will wieder Gehen. Ich bin 1949 geboren.

    Antworten

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