Kunst von Behinderten zum Leihen

Konstanz – Gabriele Kehrer liebt religiöse Motive. Sie malt das Abendmahl und die Schöpfungsgeschichte.

Auf einem der Bilder ist zu sehen, wie Tag und Nacht entstanden. Der vom Mond beschienene dunklere Teil des Himmels prallt auf den strahlend blauen mit Sonnenschein. Ihr Bild kann sich jeder ins Wohnzimmer oder in die Praxis hängen. Es gehört zu den rund 120 Kunstwerken, die die Caritas in einen Leihservice aufgenommen hat. Alle Miet-Bilder sind in der Werkstatt des Hauses St. Franziskus und der Künstlergruppe "mittendrin“ für behinderte Menschen entstanden. HTWG-Studenten der Betriebswirtschaft helfen nun, das Angebot bekannter zu machen. Sie haben in Zusammenarbeit mit Harald Kühl von der Konstanzer Agentur "Die Regionauten“ einen Film gedreht, der den Verleihservice vorstellt. Kühl engagierte sich für die Produktion ehrenamtlich und die Studenten freuten sich, über dieses Projekt einmal abseits des Lernfachs arbeiten zu können. "Ich habe unbekanntes Terrain betreten“, sagt etwa Aaron Brunsch. Er arbeitet mit Annika Opitz, Simone Kratzer und Madlen Schiefer zusammen.

Gabriele Kehrer gehört zu den erfahrenen Künstlerinnen. Sie schloss sich als eine der ersten der vor elf Jahren gegründeten Malgruppe an. Damals hatte das Haus Franziskus noch seinen Sitz in der Innenstadt. Dort begann das kunsttherapeutische Angebot als Wohnzimmer-Initiative. Erst im Jahr 2003 mit dem Umzug in die Uhlandstraße hatte die Gruppe einen Werkstattraum und die Vision, die Kunst der Behinderten für alle sichtbar zu machen. Seitdem nennt sich die Gruppe "mittendrin“.

Anfangs gelang es mit Ausstellungen, die Bilder öffentlich zu zeigen, heute soll dies der Leihservice leisten. Geschäftstreibende und Privatleute können die in der Malwerkstatt entstandenen Bilder für 10 bis 30 Euro im Monat mieten. Für Dauernutzer gibt es Sondertarife. Gabriele Kehrer und andere der Künstler von "mittendrin“ sind stolz, wenn Konstanzer Interesse zeigen. Kehrer fällt es in der Regel nicht schwer, sich von einem Bild zu trennen: "Ich male ja immer wieder neue.“

Die Künstler bekommen 30 Prozent der Leihgebühr, die restlichen Einnahmen fließen in den Kauf von Farben und Leinwänden für die gesamte Gruppe sowie in gemeinsame Ausflüge. Gabriele Kehrer liebt die Malgruppe. Wie vielen anderen gefällt ihr die Gemeinschaft dort. Manche kommen nur wegen dieser, sie sind wegen einer Behinderung gar nicht in der Lage, selbst zum Pinsel zu greifen. In der Werkstatt entstehen farbenfrohe und düstere Bilder, eine indischstämmige Frau zeichnet am liebsten Elefanten, andere Blumen oder Landschaften. Und an manchen Bildern lassen sich Lebensschicksale ablesen. Eine Frau beispielsweise malte früher akkurat sortierte Bilder. Die Detailliebe bei der Darstellung sticht ins Auge. Dann erblindete die Frau zunehmend und litt an einer fortschreitenden Altersdemenz. Heute bringt sie nur mehr ein wirres Knäuel von Kreisen und Strichen aufs Papier. Zu den Begleitern der Behinderten gehören die Kunsttherapeutin Jutta Bareis, ihr tierischer Therapeut, der kleine Hund Lisa, sowie die Kunsttherapeutin Haide Riedle.

Für Sie recherchiert:

Ihr behindert-barrierefrei Team
Willi Lang

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