Kostenfreie Schlaganfall-App – TAG GEGEN DEN SCHLAGANFALL AM 10. MAI

Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen in den Armen und Beinen und herabhängender Mundwinkel: Viele Deutsche kennen die typischen Schlaganfall-Anzeichen, wissen aber nicht, was im Notfall zu tun ist. Eine neue App soll helfen.

„Jede Sekunde zwischen Schlaganfall und Erst-Therapie kostet den Betroffenen schätzungsweise 30.000 Nervenzellen im Gehirn“, sagt der Neurologe Andreas Straube, Leiter der Neurologischen Poliklinik am Klinikum Großhadern in München. Nach dem Vorfall ist deshalb Eile geboten. Ob Anwesende und Betroffene richtig handeln, kann darüber entscheiden, wie sehr jemand später mit den Folgen des Schlaganfalls zu kämpfen hat.

Laut einer Studie der Max-Planck-Gesellschaft sind die Symptome des Hirnschlags der Bevölkerung zwar mehr oder weniger bekannt, aber es fehlt an Handlungswissen. Nur ein Drittel aller Deutschen würde einen Krankenwagen rufen. „Ein Problem kann hier auch sein, dass Schlaganfälle gehäuft nachts auftreten“, sagt Straube. „Die Betroffenen merken zwar, dass etwas nicht in Ordnung ist, legen sich aber wieder ins Bett, um weiterzuschlafen.“

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nahm die Wissenslücken zum Schlaganfall zum Anlass, eine App für Smartphones und Tablet-Computer (mit den Betriebssystemen iOS und Android) entwickeln zu lassen. Die Anwendung soll die Betroffenen im Notfall bei einer schnellen Deutung der Symptome unterstützen und vor allem die Scheu nehmen, einen Notarzt zu rufen. Sie lässt sich kostenlos über den Apple App-Store oder den Google Play-Store herunterladen.

15 Prozent der Schlaganfall-Patienten jünger als 45

Mit Hilfe des sogenannten FAST-Tests bietet die App die Möglichkeit, einen Schlaganfall zu erkennen. Das Wort FAST (englisch für „schnell“) steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) undTime (Zeit). Die Notrufnummer 112 kann direkt aus dem Programm gewählt werden. Darüber hinaus liefert die Anwendung Informationen rund um das Thema Schlaganfall und bietet Checklisten, etwa zu den Themen Krankenhausaufenthalt, Rehakliniken, Autofahren, Reisen und Hilfsmittel.

Etwa 15 Prozent aller Schlaganfallpatienten in Deutschland sind jünger als 45 Jahre – circa 25.000 Menschen. Dennoch beschäftigt sich diese Altersgruppe wenig mit der Thematik. Ex-Profi-Boxer Axel Schulz erlitt mit 37 Jahren einen Schlaganfall. Ohne eine Ahnung davon, dass auch junge Menschen einen Schlaganfall bekommen können, ließ er sich zum Hausarzt fahren. Erst danach ging er in eine Klinik. Vergeudete Zeit, wie er heute findet, obwohl er Glück hatte. Als Sonderbotschafter der Deutschen Schlaganfall-Hilfe möchte er verhindern, dass andere Betroffene denselben Fehler machen und wirbt dafür, die kostenlose App herunterzuladen.

Glück hatte auch Steffi Haas, als sie mit 27 Jahren in einem Berliner Schwimmbad einen Schlaganfall erlitt. Ein aufmerksamer Arzt war mit seinem kleinen Sohn zufällig ebenfalls im Schwimmbad und erkannte sofort den Ernst der Situation. Der rechte Arm der Grafikerin war zunächst gelähmt. Dank des schnellen Handelns des ärztlichen Ersthelfers und der Reha bildeten sich alle Beschwerden weitestgehend zurück. Ursache für den Schlaganfall war ein bis dahin unerkannter genetischer Defekt der Blutgerinnung, den die junge Frau jetzt durch die Einnahme eines Medikaments ausgleicht.

Anzeichen erkennen und handeln

Etwa 10 bis 20 Prozent aller schwerwiegenden Schlaganfälle ließen sich vermeiden, da sie sich Wochen oder Tage vorher durch eine flüchtige Durchblutungsstörung des Gehirns ankündigen. Mediziner bezeichnen dieses Ereignis als transitorisch ischämische Attacke (TIA). Die Betroffenen entwickeln für wenige Minuten bis hin zu einer Stunde dieselben Symptome, die bei einem „großen Schlaganfall“ auftreten. Dazu gehören akuter Sprachverlust, eine Schwäche in Armen und Beinen, Lähmungen oder vorübergehende halbseitige Sehstörungen.

Wer einen derartigen „kleinen Schlaganfall“ hat, sollte umgehend einen Arzt oder sogar eine Stroke Unit aufsuchen, eine auf die frühe Versorgung von Schlaganfällen spezialisierte Krankenhausabteilung. „Je älter der Betroffene ist und je mehr Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Vorhofflimmern und Herzklappenfehler vorliegen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass schon bald ein großer Schlaganfall folgt“, sagt Straube.

Auch nach einem ersten Herzinfarkt muss man laut Straube besonders wachsam sein, weil etwaige kleine Blutgerinnsel aus dem Herzen ins Gehirn geschwemmt werden können. „Ein Herzinfarkt ist auch immer ein Zeichen einer Gefäßerkrankung, die auch das Gehirn betreffen kann“, so der Münchner Mediziner.

Für Sie recherchiert

Ihr behindert-barrierefrei Team

 

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