Inklusion hat leider in weiten Teilen der Bevölkerung einen negativen Klang bekommen – Kehrtwende bei der Inklusion

Schulen in NRW müssen künftig Standards erfüllen, wenn sie Unterricht für Kinder mit Behinderungen anbieten wollen.

Für eine erfolgreiche Inklusion im Schulalltag gibt es bundesweit beeindruckende Beispiele. Einige sind preisgekrönt, etwa die Matthias-Claudius-Gesamtschule in Bochum, die Geschwister-Scholl-Gymnasien in Pulheim und in Lüdenscheid oder die Gesamtschule in Barmen. Die Einrichtungen arbeiten mit besonderen Konzepten und großem Engagement, um einen gemeinsamen Unterricht für Regelschüler und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu gestalten.

In den vergangenen Jahren haben aber vor allem viele schlechte Nachrichten für Aufmerksamkeit gesorgt: Kinder, Lehrer und Eltern sind überfordert, der Unterricht leidet, es fehlen zusätzliche qualifizierte Pädagogen, geeignete Räume und Qualitätsstandards. Vor allem im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte die frühere rot-grüne Landesregierung die Inklusion an Regelschulen forciert, während im Gegenzug viele Förderschulen geschlossen wurden. Doch nun hat die schwarz-gelbe Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine Kehrtwende eingeleitet.

Der Ärger in NRW über eine mangelhafte Umsetzung der Inklusion ist nämlich gewaltig. Rot-Grün wollte dem hohen Anspruch der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden und für Kinder mit Behinderungen einen Unterricht in einem integrativ ausgerichteten Regelschulsystem ermöglichen. Die Folge: Elternverbände begehrten auf, Lehrer ebenfalls; es wurden Brandbriefe an die Schulbehörden geschrieben. „Inklusion hat leider in weiten Teilen der Bevölkerung einen negativen Klang bekommen. Das ist unter der rot-grünen Vorgängerregierung völlig aus dem Ruder gelaufen“, sagt Jochen-Peter Wirths, Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher. Rot-Grün habe die Warnungen der Verbände in den Wind geschlagen. „Es wäre aufgrund begrenzter Ressourcen besser gewesen, mit der Inklusion erst einmal in einigen Schulen anzufangen. Inklusion darf kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, ob die Kinder optimal gefördert werden“, sagt Wirths.

Etwa 1000 der 3000 weiterführenden Schulen in NRW praktizieren gemeinsames Lernen. Allerdings entsprechen bisher nur 109 Einrichtungen den künftigen Inklusionsvorgaben. Diese Zahl dürfte sich noch deutlich erhöhen. Was Schulen mit inklusivem Angebot ab 2019/2020 machen, wenn sie die neuen Standards nicht erfüllen: unklar. In NRW gibt es aktuell 140.000 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Davon besuchen fast 43 Prozent eine Regelschule.

Verbandschef Wirths, dessen Sohn wegen einer sprachlichen Behinderung eine Förderschule besuchte, lobt die Neuausrichtung als „Schritt in die richtige Richtung“. Für ihn steht fest, dass Inklusion an Grenzen stoße: „Nicht alle Kinder etwa mit Sprachbehinderungen kommen auf einer Regelschule zurecht. Ich glaube, dass es für einen Teil der Kinder nie möglich sein wird, eine Regelschule zu besuchen.“inklusive

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