Inklusion: Barrierefreiheit ist für Menschen mit Behinderung Freiheit im Leben.

Esslingen. Imma Stozek sitzt im Rollstuhl und wartet an einer Haltestelle. Der Bus kommt, hat aber keine Rampe für Rollis. „Warten Sie doch auf den nächsten Bus“, sagt der Fahrer, „vielleicht hat der eine Rampe.“ Dann fährt er los. Nach 100 Metern stoppt der Bus wieder. Fahrgäste steigen aus und rufen Imma Stozek zu: „Kommen Sie, das schaffen wir irgendwie.“ Dieses Erlebnis hat die Rollstuhlfahrerin beim Fachtag „Inklusion – Mobilität und Sport“ im Esslinger Landratsamt erzählt. Es zeigt, welche Hürden sich behinderten Menschen täglich stellen. „Am öffentlichen Nahverkehr hängt viel Leben und Freiheit“, sagt Imma Stozek.

Für Inklusion hat die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 einen Meilenstein gesetzt. Bundes- und Landesregierung haben daraus Aktionspläne entwickelt. Auch ein Bundesteilhabegesetz gibt es seit einem knappen Jahr. Jetzt sind viele Landkreise dabei, den Aktionsplan mit seinen 230 Maßnahmen umzusetzen. Es werden kommunale Behindertenbeauftragte eingestellt, Mittel für Niederflurbusse beantragt oder barrierefreie Toiletten eingerichtet. „Inklusion findet im Alltag statt, nicht im Ministerium“, sagt Petra Clauss, die das Ministerium für Soziales und Integration auf dem Esslinger Fachtag vertritt.

Verantwortung übernehmen

Ähnlich sieht es Professorin Annette Plankensteiner. Sie beschreibt die Abkehr von separierenden Einrichtungen hin zur Teilhabe, zu einer Gesellschaft, in der das Leben mit behinderten Menschen zur Selbstverständlichkeit wird. „Das gelingt, wenn Bürger Verantwortung übernehmen“, sagte die Professorin vom Stuttgarter Institut für Sozialwissenschaften. Die erste ihrer zehn Thesen richtet sich an die Politik: „Inklusion muss politisch gewollt sein.“

Auf dem Weg zur Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr hat der Landkreis Esslingen erste Schritte gemacht. An die Vergabe der Buslinien knüpft er Bedingungen. Die Unternehmen müssen Niederflurbusse einsetzen, berichtete Klaus Neckernuß, der im Landratsamt für den Bereich ÖPNV verantwortlich ist. Der Anteil dieser Busse soll auf 75 Prozent erhöht werden. Sie sollen zudem eine doppelbreite Türe haben, eine Rampe oder einen Hublift und die Möglichkeit zum Absenken des Fahrzeugs.

Nicht immer wendet sich alles für alle zum Besseren. Der umgebaute Esslinger Busbahnhof bedeute für Menschen mit Seheinschränkung „einen Rückschritt“, sagte Marc Fischer in der Talkrunde mit Moderator Sven Fries. Wenn er nach den Bedienelementen in Hüfthöhe taste, fänden das nicht alle Mitmenschen gut. Schwierig ist für den Sehbehinderten auch, dass er den leisen E-Bus nicht hört. Der gehörlose Paul Neu schlug vor, dass die aktuellen Lautsprecher-Ansagen in Bus und Bahn auch in Schriftform geliefert werden. Sonst erkenne er nur an der plötzlichen Bewegung anderer Fahrgäste, dass irgendetwas los sei.

Aus dem Bereich Sport zählte Martin Sowa vom Inklusionssportprojekt „Bison“ eine Reihe ermutigender Beispiele auf. Derzeit entwickelt er mit dem VfB Stuttgart das Projekt „Pfiff“. Allerdings sollen erst im zweiten Schritt auch Sportler ohne Behinderung in dieses Training kommen.

Im Schlusswort kündigte Katharina Kiesel, Sozialdezernentin des Landkreises, weitere Schritte für die Zukunft an. Man plane den Aufbau eines inklusiven Netzwerkes. Im Personennahverkehr werde man die Personalschulung forcieren und die Inklusionskonferenz fortsetzen.

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