Herrn XXX. fehlen nach dem Schlaganfall die Wörter

Manchmal fehlen Herrn XXX. die Wörter. Das liegt nicht an mangelnder Fantasie, sondern daran, dass er nach einem Schlaganfall vor sechs Jahren erst wieder mühsam sprechen lernen musste. Regelmäßig muss er zur Logopädin und macht Fortschritte. Doch ab und zu bereitet ihm das Sprechen noch Probleme.

Zusammenbruch auf der Baustelle

Er weiß es noch genau, wie aus heiterem Himmel alles über ihm zusammenbrach. „Es war ein Donnerstag im Sommer und ich hatte Bauchgrimmen. Mir war schlecht“, erzählt er. Trotzdem half er einem Freund beim Umzug, denn er war damals noch selbstständiger Unternehmer und besaß einen kleinen Lastwagen, der bei dem Wohnungswechsel benötigt wurde. Am nächsten Tag ging es Herrn XXX. noch schlechter. Er fand sich in seiner eigenen Wohnung nicht mehr zurecht. „Ich war orientierungslos“, erinnert er ich. Trotzdem fuhr er auf seine Baustelle – und brach dort zusammen.

Den Sanitätern, die ihn ins Krankenhaus brachten, erklärte er noch, dass er alleine zum Wagen gehen könne. „Ich dachte, dass ich das alles mit Medikamenten wieder in den Griff kriegen würde“, sagt er. Mitnichten. Es war keine Schwindelattacke, sondern ein Schlaganfall. Herr XXX. war damals Mitte vierzig. Weil er selbst nicht mehr sprechen konnte, sprachen auch seine Angehörigen nicht mehr mit ihm. Das schmerzt ihn bis heute. „Die dachten, ich sei jetzt geistig behindert.“

Das Gehirn war geschädigt

Herr XX. zeigt eine Skizze, auf der die verschiedenen Zentren im menschlichen Gehirn aufgezeichnet sind: Schreiben, Lesen, Rechnen, Sprechen. Sie alle wurden durch den Schlaganfall geschädigt. Andererseits wurde er damals sehr schnell wütend. „Das hat gar nicht zu mir gepasst, weil ich immer ein friedlicher Mensch war“, sagt er. „Diese Wut war für mich ganz schwierig zu ertragen. Ich fragte mich dauernd woher sie auf einmal kommt.“ Auch sie hatte organische Ursachen. „Aber ich hatte wenigstens keine Lähmungen davon getragen“, sagt er.

Der eigen Betrieb besteht nicht mehr

Nach einem längeren Klinikaufenthalt, begann die Reha in Norddeutschland. „Dort wurde ich wieder wie ein echter Mensch behandelt.“ Von Woche zu Woche ging es ihm besser. Die Sprache kam zurück, aber bis heute muss er seine Übungen machen. Seinen Handwerksbetrieb musste er auflösen, denn an Arbeiten war nicht mehr zu denken. Heute würde er sich gerne wieder stundenweise in seinem erlernten Beruf betätigen – trotz seiner Probleme mit den Knien und dem Rücken. „Ich möchte einen Neustart. Ich fühle mich als Loser, wenn so gar nichts mache.“ Noch immer leidet er unter chronischen Kopfschmerzen. „Ich muss mich deshalb oft hinlegen“, entschuldigt er sich.

Die Zahnarztkosten sind zu hoch

Die Folgen des Schlaganfalls haben alle seine Ersparnisse und seine Rentenzahlungen aufgebraucht. Jetzt, wo alle Rücklagen weg sind, lebt er von Grundsicherung. Herr XXX. benötigt eine neue Zahnprothese, aber den Eigenanteil von 460 Euro kann er nicht finanzieren.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • anne wagner
    7. Februar 2017 23:20

    ….wie ??? im Sozialstaat D muss jemand ohne Zähne leben, weil er den Eigenanteil nicht stemmt. ich kenne das SGB 1/2 leider nicht….aber das glaube ich so nicht …. implantate wird man ihm wohl keine bezahlen… mühsame Antragsarbeit abwickeln?…

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