Gescheiterte Inklusion: Kindergärtnerin im Rollstuhl kämpft um ihren Arbeitsplatz

Dies ist eine traurige Geschichte. Wie viele traurige Geschichten hat sie einen sehr erfreulichen Ausgangspunkt. Als eine der ersten Rollstuhlfahrerinnen weit und breit bekam Alexandra Stefania die Chance, fest in einem Kindergarten zu arbeiten. Im katholischen Kindergarten an der Alten Vaihinger Straße in Schwieberdingen war man Feuer und Flamme für die junge Frau, die so einen guten Draht zu den Kindern hatte. Die bürgerliche Gemeinde, die Kirchengemeinde und der Integrationsfachdienst im Landratsamt luden damals, vor rund acht Jahren, sogar zu einer Pressekonferenz, um die Inklusion im Allgemeinen und die Verdienste der damals 28-Jährigen enthusiastisch zu preisen. „Ein ruhender Pol“ sei sie und „die Kinder haben sie richtig lieb gewonnen“, sagten die Verantwortlichen damals.

Jetzt, acht Jahre später, ist sie wieder auf Jobsuche – und darüber „ziemlich traurig“, wie sie sagt. Dabei, und das ist ihr wichtig, muss sie sich nicht vorwerfen, nicht für ihren Traumberuf gekämpft zu haben. „Ich bin eine Kämpfernatur“, sagt Alexandra Stefania. Die Gründe, warum es letztlich partout nicht mehr klappen wollte am Schwieberdinger Kindergarten, lassen sich nicht mehr en detail rekonstruieren. Insbesondere, weil die katholische Kirchengemeinde als Kindergartenträger sich zu keinem Zeitpunkt in dieser heiklen Angelegenheit äußern wollte. Nur so viel lässt sich der Diakon Richard Fock entlocken. „Wir haben alles getan, was möglich war, damit es funktioniert.“ Es sei „nichts mehr zu machen“ gewesen. Man wolle aber nicht zu viel Interna aus dem Kindergartenbetrieb verraten, „weil wir Frau Stefania in Schutz nehmen möchten“. Denn: „Wir treten sehr für Behinderte ein.“

„Ich will als Rollstuhlfahrerin nicht anders behandelt werden“

Eines ist klar: der Arbeitsalltag von Alexandra Stefania verlief ungefähr ab jenem Zeitpunkt nicht mehr reibungslos, nachdem eine neue Kindergartenleitung und ein neues Konzept dort Einzug gehalten hatten. Es gab seit Ende 2013 ein so genanntes offenes Konzept ohne feste Gruppen und Rituale, dafür mit mehr Wahlmöglichkeiten und Trubel in den Räumen an der Alten Vaihinger Straße. Alexandra Stefania ließ die wachsende Unruhe im Hause keine Ruhe mehr: sie begann, die Zustände und das Konzept zu kritisieren – vor allem in Form von etlichen, teilweise langen E-M­ails.

Es kam zur Eskalation. Im Juni 2014 wurde sie nach Hause geschickt – und erhielt sogar Hausverbot. Sie habe die Tische trotz eines Verbots mit Desinfektionsmittel gereinigt und die Kinder mit kochendem Wasser hantieren lassen. Laut Stefania ein harmloser Vorgang: sie habe lediglich mit den Kindern gemeinsam Tee gekocht, dabei aber stets eine Hand am Wasserkocher gehabt. Ihren arbeitsrechtlichen Trumpf zog die junge Kämpfernatur aber nicht: sie weigerte sich, ihren speziellen Kündigungsschutz in Anspruch zu nehmen, weil sie sich dafür einer medizinischen Untersuchung hätte unterziehen müssen. „Ich will nicht anders behandelt werden, nur weil ich im Rollstuhl sitze“, sagte sie damals.

Eine Rückkehr unter schlechten Vorzeichen

Nach der Kündigung folgte ein Coup auf dem Rechtsweg: das Arbeitsgericht Ludwigsburg erklärte den Rauswurf für nichtig und verdonnerte den Kindergarten dazu, sie wieder einzustellen. Im Frühjahr dieses Jahres kehrte Alexandra Stefania wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Allerdings erhielt sie von der Kindergartenleitung die strikte Order, künftig keinerlei Kontakt mehr mit Kindern zu haben. Schnell war offenbar beiden Seiten klar, dass es auf dieser Basis auch nicht weiter gehen kann. Es folgten erneute rechtliche Auseinandersetzungen – schließlich habe sie sich damit abgefunden, dass es nicht mehr geht, sagt die inzwischen 37-Jährige. Kämpfen will sie aber weiter. „Ich bin fleißig am Bewerbungen schreiben.“

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