Frauen trifft ein Schlaganfall besonders hart

Der Hirninfarkt gilt als typische Männerkrankheit. Ein gefährlicher Irrtum! Denn Frauen sind – gerade nach der Menopause – häufiger und schwerer betroffen. Wir berichten über Risiken, Warnhinweise und neueste Therapien.
Bestimmt nur eine extrem schlimme Migräneattacke, dachte Annette Weiß, als sie an einem Sommernachmittag vor drei Jahren rasende Kopfschmerzen überfielen. Die Bamberger Chefsekretärin griff zu den Tabletten, die sie für solche Fälle parat hatte, und legte sich aufs Sofa.

Ärzte erkannten den Ernst der Lage nicht

„Als ich erwachte, waren die Schmerzen weg. Dafür fehlte mir nun ein Teil des rechten Sehfeldes, und zwar auf beiden Augen.“ Weder Haus- noch Augenarzt wussten Rat, selbst ein Neurologe erkannte keinen Notfall. Tage verstrichen, bis die 43-Jährige nach einer Kernspintomografie in einer Bamberger Klinik endlich die richtige Diagnose erhielt: ischämischer Schlaganfall. Ein winziges Gerinnsel hatte den Blutfluss in ihrem Gehirn blockiert, Nervenzellen erhielten keinen Sauerstoff mehr und starben ab.

Untypische Symptome

Dass selbst Mediziner den Hirninfarkt übersahen, lag an den besonderen Umständen: Die Krankheitszeichen von Annette Weiß hielten sich nicht ans Lehrbuch. Und auch sonst passte die lebenslustige, körperlich fitte Frau wenig ins Bild des typischen Schlaganfallpatienten. Der ist – folgt man der gängigen Vorstellung – männlich und im Pensionsalter, außerdem kämpft er mit Diabetes, Bluthochdruck oder hohem Cholesterin. Lauter Leiden, die Arteriosklerose fördern. Die langfristige Folge sind verstopfte Arterien.

Große Bedrohung für Frauen

Dieses übliche Muster verdeckt die Tatsache, dass der Hirninfarkt Frauen stärker bedroht als Männer. „55 Prozent der jährlich rund 270.000 Schlaganfälle hierzulande treten bei ihnen auf“, erklärt Prof. Thomas Els, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach. „Überdies gelangen weibliche Patienten später in die rettende Notaufnahme als männliche. Und sie bleiben danach häufiger pflegebedürftig.“

Es gibt jedoch auch Faktoren, die Frauen begünstigen. Allen voran: ihr Geschlecht. „Die weiblichen Sexualhormone erweitern die Arterien und beugen Gefäßablagerungen vor. Deshalb haben Frauen bis zu den Wechseljahren seltener mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun als Männer“, erklärt Thomas Els.
Gefahr nach den Wechseljahren

Dieser Vorsprung geht jedoch leider verloren, sobald die Östrogenproduktion nachlässt. Schlimmer noch: Bestimmte Risiken, die prinzipiell beide Geschlechter bedrohen, wirken sich bei Frauen in der zweiten Lebenshälfte schädlicher aus. Rauchen etwa. Laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erhöht es die Schlaganfallgefahr um das Dreifache – das ist doppelt so hoch wie bei Männern.

Auch Diabetes und Bluthochdruck beeinflussen weibliche Gefäße besonders negativ. Frauen mit diesen Erkrankungen sollten daher nicht rauchen, auf ihr Gewicht achten sowie Blutdruck und Blutzuckerwerte mit ärztlicher Hilfe optimal einstellen.

Gefährliches Vorhofflimmern

Zu den weiblichen Gefäßschrecken gehört auch Vorhofflimmern. Mediziner raten Frauen über 65, die mit dieser verbreiteten Herzrhythmusstörung kämpfen, in der Regel zu Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen.
In den USA haben diese Einsichten dazu geführt, dass zwei Fachgesellschaften 2014 eine Leitlinie zur Vorbeugung von Schlaganfällen vorgestellt haben, die sich erstmals ausschließlich an Frauen richtet. Der richtige Weg, findet Dr. Els: „Man darf Frauen und Männer in Sachen Hirninfarkt nicht länger in einen Topf werfen.“

Umstrittene Hormonersatztherapie

Und was ist mit der Hormonersatztherapie gegen Wechseljahrbeschwerden? Sie ist umstritten, seit eine große Studie in den USA 2002 zeigte, dass die Extra-Östrogene, anders als erwartet, älteren Frauen mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle bescherten. Neue Erkenntnisse haben diese Vorbehalte jedoch wieder schwinden lassen.

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