Forscher entdecken Vorläuferstadien von Multipler Sklerose

Die Multiple Sklerose ist in Mitteleuropa eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems. Münchner Forschern ist es nun gelungen, Vorstufen der MS nachzuweisen – was ein wichtiger Schritt für bessere Behandlungsmöglichkeiten sein könnte.

 

Ein Forscherteam des Uni-Klinikums München hat die Immunzellentypen identifiziert, die mutmaßlich an der Entstehung von Multipler Sklerose (MS), beteiligt sind. In Mitteleuropa ist MS die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Frauen sind ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer. In Deutschland gibt es etwa 200.000 bis 220.000 Betroffene.

„Zwillingsdatenbank“ half Forschern

Den Münchner Forschern ist es jetzt gelungen, durch Untersuchungen die frühesten überhaupt erfassbaren Stadien der Krankheit festzustellen. Grundlage war eine „Zwillingskohorte“. Dabei handelt es sich um eine weltweit einmalige Datenbank, die bisher 78 eineiige Zwillingspaare im Alter von 21 bis 50 Jahren umfasst.

Jeweils ein Zwilling ist an MS erkrankt, während der andere nach klinischen Kriterien völlig gesund ist. Genetisch sind sie identisch, Ernährung und Umweltbedingungen sind meist ebenfalls gleich. Warum aber wird der eine krank und der andere nicht?

Auffällige Immunzellen als mögliche Vorstufe der Krankheit

MS kann erst dann diagnostiziert werden, wenn die ersten Symptome wie zum Beispiel Sehstörungen auftreten. Um die Ursache zu klären, muss man den Beginn der Erkrankung finden – und das ist jetzt erstmals gelungen. „Wir haben bei den gesunden Zwillingen Frühstadien der MS entdeckt und konnten da im Nervenwasser die möglicherweise verantwortlichen Zellen für den Anfang der MS identifizieren“, erklärt Dr. Lisa Ann Gerdes, vom Institut für klinische Neuroimmunologie, das zum Klinikum der Universität München gehört.

Die Forscher haben im Nervenwasser der Zwillinge die Gene von fast 2.800 Zellen untersucht. Besonders auffällig erwiesen sich dabei ganz bestimmte T-Lymphozyten. Diese Immunzellen sind schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Erkrankung aktiv. „Das ist eine Vorstufe der MS, die man normalerweise als Wissenschaftler und Arzt nie zu sehen bekommt“, sagt Prof. Klaus Dornmair, der ebenfalls Teil des Forscherteams ist.

„Erkenntnisse sind wichtiges Puzzlesteinchen“

Die Forscher hoffen, mit Hilfe der Daten irgendwann die Entstehung von MS zu verhindern oder eine Prophylaxe zu entwickeln. Die Erkenntnisse bewerten Experten wie Prof. Reinhard Hohlfeld deshalb als äußerst wichtig: „Die sind natürlich im Rahmen der Gesamt-MS-Forschung schon ein Baustein, ein weiteres Puzzlesteinchen in dem großen Bild, das viele Forscher weltweit jeden Tag versuchen zusammenzusetzen. Wir denken, dass es ein recht wichtiges Puzzlesteinchen ist.“

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