Erstes Dialogforum zur Inklusion in Bad Tölz

In Norwegen, Schweden, Finnland, Italien oder den USA funktioniert es längst: Das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Förderbedarf, kurz Inklusion genannt. Und seit über drei Jahren wird auch in Bad Tölz über die Möglichkeiten diskutiert, ein inklusives Bildungssystem zu entwickeln.

Dieser Frage haben sich am Donnerstag die Teilnehmer des ersten Dialogforums zur Inklusion gewidmet. Die Schulentwicklung sei „geprägt von der Notwendigkeit, Antworten auf die Herausforderungen in der Gesellschaft zu finden“, sagte Birgit Mahrt, Pädagogin und Vertreterin des Arbeitskreises KOOP, der das Dialogforum initiierte. Es brauche Bildungseinrichtungen, „die jedem Kind die optimale Entwicklungsbegleitung garantieren“. Schulen etwa, „in der Vielfalt wahrlich zu Hause ist“, sagte Mahrt.

In dem rund dreieinhalbstündigen Forum waren zunächst die knapp 40 Vertreter von Tölzer Elementar- und Primäreinrichtungen sowie Eltern und Mitarbeiter des Arbeitskreises gefragt: Sie sollten auf Puzzleteilen ihre Visionen und Hoffnungen formulieren, die sie an Landratsamt, Ärzte und Therapeuten, Kindertagesstätten, die Stadt, an Schulamt und Schulen haben, um bis 2020 die Inklusion in Bad Tölz realisieren zu können. Ans Landratsamt gerichtet notierten die Anwesenden etwa die Wünsche, Gemeinschaftsschulen zuzulassen und einen Runden Tisch einzuberufen. An Ärzte und Therapeuten gingen unter anderem die Forderungen, emotionale Bildung zu unterstützen und gesellschaftliche Werte zu diskutieren. An die Kindertagesstätten richteten sich Vorschläge wie kleinere Gruppen einzurichten und Kitas als Familien-Service-Zentren zu etablieren, sonderpädagogischen Einrichtungen aber ihre Berechtigung zu lassen. Die Stadt selbst solle Kontakte zur Staatsregierung nutzen und ganz konkret eine städtische Gemeinschaftsschule gründen. Vom Schulamt wünschten sich die Anwesenden, Lehrpläne zu überarbeiten, faire, überparteiliche Beratung anzubieten und die pädagogische Ausbildung der Lehrer zu intensivieren. Von den Schulen wurden mutigere Lehrer gefordert und die Grundschule müsse weg „von der Zulieferaufgabe für das Gymnasium“. In der anschließenden Diskussion wurde jedoch klar, dass noch ein Puzzleteil fehlte: nämlich, was von den Eltern erwartet wird auf dem Weg zur Inklusion.

Schulrätin Marianne Konrad versprach, die Sammlung an Wünschen weiterzugeben. Sie betonte allerdings auch, dass vieles bereits umgesetzt würde. Dass eine neue Sichtweise nicht von heute auf morgen gehe, sei aber klar: „Da müssen wir alle miteinander viel Geduld aufbringen.“ Auch Christian Müller, Rektor der Tölzer Südschule, erklärte, Pädagogen hätten bereits heute viele Freiheiten, „die man aber eben auch nutzen muss.“

Mahrt hoffte am Ende, dass der Abend inspiriert und motiviert habe: „Inklusion ist eine Schatzsuche, bereichernd, bunt, abenteuerlich, lebensbejahend, und sie fängt bei jedem persönlich an.“ In einem zweiten Dialogforum vor den Sommerferien sollen dann die bis dahin erreichten Fortschritte präsentiert werden.

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