E-Scooter in öffentlichen Verkehrsmitteln nach München

Mit ihrem E-Scooter, einem elektrischen Rollstuhl, ist VdK-Mitglied Martina B. nach München gefahren, und zwar in öffentlichen Verkehrsmittel. Hier Ihre Erfahrungen!

Der VdK Geretsried unterstützt aktiv die Aktion Barrierefreiheit des bundesweiten Dachverbands. Meldungen der Mitglieder über Hindernisse habe man an die Stadt weitergeleitet, sagt VdK-Sprecher Arno Bock. Ortsvorsitzende Gisela Lucht freut sich, „dass an vielen Orten die Hinweise des VdK zu baulichen Verbesserungen bereits in Angriff genommen oder schon umgesetzt wurden“. Nicht erst, seit Bürgermeister Michael Müller in einem Rollstuhl eine Probefahrt machen durfte, seien er und seine Verwaltung sehr bemüht, Barrieren auf Straßen und Plätzen der Stadt zu beseitigen.

Die telefonischen Auskünfte, die Martina B. zunächst bei MVV und RVO erhält, sind wenig erhellend. Einmal heißt es: „Wir nehmen keine Rollstühle mit.“ Dann hört sie: „Das geht nur auf besonderen Linien“ und „Kein Problem“. Was also tun? Martina B. wendet sich an den VdK-Ortsverband. Gemeinsam einigt man sich darauf, es einfach auszuprobieren. Um das Risiko gering zu halten, verabredet sich B. mit einem ehrenamtlichen VdK-Mitarbeiter. Die Teststrecke soll vom Geretsrieder Isar-Kaufhaus bis zur Donnersbergerbrücke in München und zurück führen.

Abgesenkte Bordsteinkanten

Auf dem Bus, der vor dem Kaufhaus hält, prangt neben dem rechten Scheinwerfer ein kleines blaues Rollstuhl-Symbol. Auf die Bitte der beiden Testpiloten klappt Busfahrer Muhammad Asif bereitwillig im breiten mittleren Einstieg eine Rampe aus dem Fahrzeugboden. Martina B. kann problemlos in den Bus rollen. Große Erleichterung. Ebenso einfach geht das Aussteigen am S-Bahnhof Wolfratshausen. Die Bordsteinkanten der Businseln sind zudem abgesenkt, so dass es nicht schwierig ist, auf den Bahnsteig zu gelangen.

Per Rufknopf Kontakt mit dem Lokführer aufnehmen

Dessen Niveau und das des Waggons sind aber nicht gleich. Martina S. und ihr Begleiter bitten Lokführer Athaulf Rameez um Hilfe. Der verlässt seinen Führerstand, holt aus einer Art Schrank im ersten Abteil eine aufklappbare Rampe, und die Testpilotin kann bequem in den Zug fahren. Anschließend verstaut Rameez die Rampe und fragt Martina B., wo sie aussteigen möchte, um ihr erneut behilflich sein zu können. Zudem weist der Zugführer die Rollstuhlfahrerin auf einen kleinen Rufknopf hin, mit dem sie ihren Aussteige-Wunsch per Rampe dem Lokführer signalisieren kann. Und schon fährt der Zug gegen München los.

Dank Rampe klappt‘s

An der Haltestelle Donnersbergerbrücke liegen Bahnsteig und Zug zwar auf gleichem Niveau, doch der Spalt zwischen Waggon und Bahnsteigkante ist für die kleinen Vorderräder des Scooters zu groß. „Ich würde darin stecken bleiben, und der Rolli könnte umstürzen“, sagt Martina B. Schnell legt der Lokführer die Rampe aus, „und schon stehen wir auf dem Bahnsteig“. Die Frau bedankt und verabschiedet sich.

Problemlos umsteigen

Anschließend fahren sie und ihr Begleiter mit dem Lift vom Bahnsteig hinauf auf die Brücke und besuchen ein Café in der Nähe, um sich einen Cappuccino zu gönnen. Beide sind erleichtert und froh, dass alles so gut geklappt hat. „Kein einziges Mal musste mein ehrenamtlich Mitreisender helfend eingreifen. Ich konnte jeden Umsteigevorgang allein bewältigen“, sagt Martina B. zufrieden. Mit der nächsten S 7 fährt das Duo ebenso problemlos heim.

Positives Fazit

Auch VdK-Sprecher Bock zieht ein positives Fazit: „Alles gelang sehr gut. Die Mitarbeiter des RVO und der S-Bahn waren sehr freundlich und hilfsbereit. Martina B. traut sich nun auch alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach München zu fahren. Welch ein Gewinn!“

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