Behindertensport: Trotz Handicaps ist Catharina Weiß (14) gleich in drei Disziplinen sehr erfolgreich

Stuttgart – Es gibt ganz wenige Momente, in denen Catharina Weiß an diesem Nachmittag nicht lächelt. Sie sitzt in einem Café in Stuttgart, sorgfältig getuschte Wimpern umrahmen die graublauen Augen, um den Hals trägt sie eine Kette; sie spielt immer wieder an dem mit Strass-Steinen besetzten Anhänger. Er hat die Form eines Elefanten. Ein interessantes Symbol für die junge Frau, die in ihrem Rollstuhl sehr zart, fast zerbrechlich wirkt.

Doch in diesem Körper ist fast jeder ­Muskel trainiert und auch mental strahlt die 14-Jährige jede Menge Stärke aus. Sie wirkt reifer und ernsthafter als Gleichaltrige. Die Schülerin aus Plochingen, die die Waldschule in Degerloch besucht, führt ein sehr bewegtes Leben. Denn wenn sie sich nicht mit ihren Freundinnen zum Einkaufen trifft, dreht sich alles um den Sport. Sie schwimmt, sie spielt Rollstuhlbasketball und seit drei Jahren fährt sie auch noch Monoski. „Man hat nicht immer Lust auf das Training, aber auf das Gefühl danach möchte ich nicht verzichten“, sagt Catharina Weiß . Dass sie im Alter von zwei Monaten an Krebs erkrankte, und dass dabei ihr Rückenmark angegriffen wurde, diese Thema streift sie nur am Rande. Sie erzählt lieber von der besonderen Freiheit und der Selbstbestimmtheit, die ihr der Sport bietet. „Das ist ein toller Ausgleich und hilft mir auch im Alltag“, betont sie.

Ihre Geschichte ist die einer Aufsteigerin und einer Kämpferin. Ihre Mutter Ulrike Wortha-Weiß erkannte ihr sportliches Talent schon früh und schickte sie zum therapeutischen Reiten. Das Seepferdchen im Schwimmen hatte die kleine Catharina schon vor der Einschulung in der Tasche. „Sie ist ehrgeizig, zielorientiert, weiß, was sie will“, beschreibt Ulrike Wortha-Weiß ihre Tochter. Natürlich sei sie im Moment auch sehr anstrengend, wie andere Teenager. Es war nicht leicht im Raum Stuttgart die passende Sportart zu finden. Heute startet Catharina für den SV Cannstatt und erzählt so ganz nebenbei, dass sie vier deutsche ­Rekorde im Schwimmen hält.

Zudem spielt sie Rollstuhlbasketball in der Regionalliga für den RSKV Tübingen und zählt zum erweiterten Landeskader. Doch die neueste Liebe gilt dem Monoski. Am Anfang brauchte sie noch Begleitung. „Jetzt fühle ich mich sicher und genieße das Tempo“, sagt Catharina Weiß. Bei einem Jugendcamp im vergangenen Jahr ist sie Tina Röll, der Nachwuchstrainerin im Deutschen Behindertensportbund (DSB), aufgefallen und seitdem zählt das Talent zum Nachwuchsteam. „Sie hat ein tolles Körpergefühl und verfügt über eine enorme Lernfähigkeit“, sagt Tina Röll. Deshalb spiele es keine Rolle, dass sie erst spät mit dem Skifahren begonnen hat.

Die 29-Jährige kann es beurteilen. Schließlich betreut sie auch Anna Schaffelhuber, die bei den Paralympics in Sotschi fünf Goldmedaillen gewonnen hat. Für gute Leistungen ist gutes Material nötig, bislang hat Catharina Weiß ihr Sportgerät aus­geliehen. Aus Kostengründen, ein konkurrenzfähiger Monoski kostet fast 6000 Euro. Die Schülerin erstellte eine Mappe, schrieb Firmen in der Region an und bekam viele Absagen. Doch die Volksbank Plochingen, die Paul-Lechler Stiftung und Alpis e. V. München spendeten an den Württembergischen Rehabilitations- und Behindertensportverband (WBRS), der dann den ­Monoski beschaffte. „So viel Engagement hab ich bei einer Sportlerin in ihrem Alter noch nicht erlebt“, sagt Andreas Escher, ­zuständig für Marketing beim WBRS.

Mit dem neuen Ski geht es nach Weihnachten zum Lehrgang nach Kühtai in Tirol. „Das war ein wichtiger Schritt“, sagt Tina Röll. Weil die Neuntklässlerin noch zu jung ist, darf sie diesen Winter aber noch keine Rennen bestreiten. In der Saison 2015/2016 will sie angreifen. Und wie sehen ihre Träume aus? „Ein Start bei den Paralympics ist schon mein Ziel“, sagt Catharina Weiß. Schließlich war sie schon beim Para-Jugendlager 2012 in London dabei und lernte die Schwimmerin Kirsten Bruhn kennen. „Der Hype danach war unglaublich“, sagt Ulrike Wortha-Weiß, die ihre Tochter in jeder Form unterstützt. Catharina Weiß weiß, dass sie sich bald für eine Sportart entscheiden muss. Tina Röll will sie nicht beeinflussen: „Sie kann überall erfolgreich sein, denn sie ist ehrgeizig und unheimlich vielseitig.“ Aber freuen würde sie sich schon, wenn ­Catharina Weiß dem Monoski treu bleibt.

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