Behindertensport Parakanu: Katharina Bauernschmidt ist querschnittsgelähmt – und hat sich für die Paralympischen Spiele 2020 qualifiziert

Katharina Bauernschmidt ist querschnittsgelähmt. Seit zwei Jahren fährt sie Parakanu – und hat sich für die Paralympischen Spiele qualifiziert,

Katharina Bauernschmidt strahlt mit jedem Wort, das sie spricht, Selbstvertrauen aus. Sie hat klare Vorstellungen davon, was sie will, hat schon viel erreicht – und will noch mehr. Das ist Katharina Bauernschmidt im Alter von 29 Jahren.

Die Katharina Bauernschmidt im Alter von 21 Jahren war verzweifelt. „Ich habe zwei Jahre gebraucht, um damit fertig zu werden“, berichtet sie. Damals unterzog sich die junge Frau einer Bandscheibenoperation. Routineeingriff sagt man da gerne. „Der Schnitt wurde offenbar zu tief angesetzt.“ Die Folge: Seither ist sie querschnittsgelähmt.

Sie nimmt ihren Zuhörer mit auf die schwere Reise. „Man will es erst nicht, aber man muss sich eingestehen, dass man in gewissen Situationen Hilfe braucht.“ Vor dieser Einsicht steht der Kampf, es doch schaffen zu wollen. „Aber wenn man das für sich angenommen hat, wird vieles leichter. Heutzutage frage ich ganz selbstverständlich, wenn es nicht anders geht.“

Eine olympische Leistung

Längst sind ihre Gedanken wieder im Hier und Jetzt. Und bei dem, was da wohl kommen mag. Was die junge Sportlerin in den letzten Jahren geleistet hat, ist olympisch. Sie hat nicht einfach nur ihren Schicksalsschlag verarbeitet. „Früher war ich Schwimmerin“, bericht sie. „Ich habe es mit Paraschwimmen versucht, aber das war nicht mein Ding.“ Aber das Wasser sollte es dann doch sein. Also schaute sie sich um, konsultiere das Internet, schaute beim Deutschen Behindertensportverband nach. Und wurde fündig. Parakanu! Das wäre was! Kann man ja mal ausprobieren. Nach zwei Wochen konnte sie sich entscheiden, ob sie es als Hobby oder gar als Leistungssport betreiben möchte. Birgit Plank, ihre Trainerin beim WSV Niederrhein, hatte schnell bemerkt, welch’ Talent in Bauernschmidt steckt.

Über 200 Meter im Va’a – das ist ein Kanu mit Ausleger – ist sie kaum zu stoppen. Sie erfüllte eine Norm nach der nächsten, sodass sie innerhalb kürzester Zeit vom damaligen Bundestrainer Arne Bandholz ins Nationalteam berufen wurde. Das hat sich natürlich auch unter seinem Nachfolger André Brendel nicht geändert. „Im letzten Jahr bin ich dann erstmals bei einer EM und WM mitgefahren“, berichtet die Kanutin, die in Ratingen wohnt, sportlich aber beim WSV an der Masurenallee beheimatet ist. In diesem Jahr wurde es noch besser. Vierte bei der EM, Fünfte beim Worldcup und der WM. „Als dann alle jubelten, war mir klar, dass es geklappt haben muss.“

Auch die Kajak-Norm will sie knacken

Was geklappt hat? Nach nur zwei Jahren als Parakanutin hat sich Katharina Bauernschmidt im Va’a für die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio qualifiziert. „Ich war bisher noch nie in Japan“, sagt Bauernschmidt mit einem Augenzwinkern. Längst ist sie nur noch drei Sekunden von der absoluten Weltspitze entfernt. Und sie will mehr. „Im April steht die Sichtung im Kajak an“, erklärt Bauernschmidt – und auch hierbei will sie die paralympische Norm knacken. 2020 dürfte also zu einem Highlight-Jahr werden. Denn neben den Paralympischen Spielen in Tokio wartet auch noch die Heim-WM in Duisburg auf Katharina Bauernschmidt.

So ganz nebenbei fährt sie auch noch auf Langstrecken über sechs bis zehn Kilometer. Und gewinnt. Gegen nicht gehandicapte Sportler.

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