Behindertensport: 1000-Kilometer-Rekordversuch – Rollstuhlfahrer Boris Guentel aus Cloppenburg will’s wissen

1000 Rad-Kilometer nonstop – Extremsportler Boris Guentel aus Cloppenburg will’s wieder wissen und hat sich einen neuen Weltrekordversuch vorgenommen. Soweit, so gut, doch der Rollstuhlfahrer ist jetzt von den Genehmigungsbehörden ausgebremst worden. Ein solcher Versuch auf öffentlichen Straßen wird als Straßenrennen gewertet – und ist deshalb in Niedersachsen auf öffentlichen Straßen nicht gestattet. Das teilte Guentel in einem Pressegespräch mit.

Wie berichtet, hatte Guentel geplant, vom 5. bis 7. August in weniger als 42 Stunden eine Distanz von 1000 Kilometern zu schaffen, und zwar auf einem Rundkurs rund um die Thülsfelder Talsperre. Damit wollte Guentel wieder einmal beweisen, zu welchen sportlichen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen fähig sein können.

Zahlreiche Radsportler aus dem Kreis wollten ihn bei seiner Tour unterstützen und auch für einige Zeit begleiten, so unter anderem der Radsportclub Garrel, der RST Vahren, zwei weitere Profi-Handbiker und etliche Freizeitradler. „Wir wollten ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, das sollte keine One-Man-Show werden sondern gelebte Inklusion“, so Guentel. Deshalb war auch das Datum nicht zufällig gewählt, denn am 7. August ist an der Talsperre auch ein internationaler Triathlon geplant.

Straßenrennen
Seit 28. Januar stand Guentel in engem Kontakt mit dem Landkreis Cloppenburg, um die Formalien für die Genehmigung abzusprechen. Alles sah gut aus, auch die Strecke wurde abgesegnet, so Guentel. Am 12. Februar sei ihm dann mitgeteilt worden, dass der Landkreis überhaupt nicht zuständig sei – und auf Nachfrage erklärte die zuständige Landesbehörde, dass es sich bei dem Vorhaben um ein Straßenrennen handele, das nicht genehmigungsfähig sei.

Auf Nachfrage beim Landkreis, was aus Sicht der Behörde gelaufen ist, teilte Kreis-Sprecher Frank Beumker mit: „Herr Boris Guentel hat sich beim Landkreis Cloppenburg über die entsprechende verkehrsbehördliche Genehmigung für seinen 1000-Kilometer-Rekordversuch erkundigt. Der Landkreis Cloppenburg hat ihm in mehreren Gesprächen signalisiert, dass er diesem Vorhaben positiv gegenübersteht.“ Es habe sich aber in der Folge herausgestellt, dass der von ihm geplante Rundkurs im Bereich der Thülsfelder Talsperre den Zuständigkeitsbereich der beiden Verkehrsbehörden Landkreis Cloppenburg und Stadt Friesoythe tangiert. „Aufgrund der gesetzlichen Regelungen der Straßenverkehrsordnung ist damit aber nicht mehr der Landkreis Cloppenburg, sondern das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Hannover für das Genehmigungsverfahren zuständig“, so Beumker.

Verkehrssicherheit
Das Ministerium habe den Landkreis zwischenzeitlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine verkehrsbehördliche Genehmigung für diesen Rekordversuch auf klassifizierten Straßen aktuell nicht erteilt werde. Ablehnungsgründe seien Verkehrssicherheitsgründe und dass der Rekordversuch jetzt mehr einen Renncharakter, im Gegensatz zur letztjährigen Charity-Veranstaltung, habe.

„Meine persönliche Verärgerung ist kaum zu beschreiben – erst soll alles kein Problem sein und man will mir kurzfristig eine Erlaubnis erteilen, dann soll alles nicht mehr genehmigungsfähig sein, da es angeblich ein Straßenrennen sei“, so Guentel.

Brief an Weil
An Unterstützung fehlt es dem Rollstuhlfahrer nicht: CDU-Landtagsabgeordnetem Karl-Heinz Bley oder auch Achim Wach von der Polizei, der mit zu Guentels Team gehört, stehen hinter dem Projekt. Jörg Dommershausen von Rehamanagement Oldenburg, ein Bekannter Guentels, hat jetzt auch an Ministerpräsident Stephan Weil geschrieben. Ob das etwas hilft, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Auch wenn es in Niedersachsen keine Genehmigung gibt, gibt er seinen Weltrekordversuch nicht auf. In Kappeln an der Schlei, dem Ort, wo sein letzter Rekordversuch endete, zeigte man sich angesichts des Vorhabens nämlich begeistert. Drei mögliche Routen stehen dort bereits genehmigungsfähig zur Auswahl. Guentel: „In Schleswig-Holstein ist wohl einfach mehr möglich als in Niedersachsen.“ Sollten die Behörden in Niedersachsen allerdings doch noch einlenken, möchte er lieber in seinem Landkreis fahren.

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