Behinderte spielen Theater – Sommernachtstraum in Saalfeld

Saalfeld.: “Thüringen hilft” unterstützt das ungewöhnliche Theaterprojekt mit 2500 Euro für Requisiten und technischen Geräten.

Wenn der Vorhang fällt und der Beifall kein Ende nimmt, sind die Schauspieler des Saalfelder Theater-Ensembles “Die Brudergässler” wie ihre großen Kollegen in Weimar, Erfurt, Eisenach, Nordhausen und Meiningen erschöpft. Aber glücklich. Und vor allem stolz.

Denn die “Brudergässler” sind in der Saalfelder Brudergasse 11 zu Hause, einer Wohnstätte für behinderte Menschen, wo sie weitgehend selbstständig leben können.

Seit neun Jahren steht das Ensemble regelmäßig auf der Bühne, spielt in bunten Kostümen und märchenhaften Kulissen – alles meist selbstgemacht – die Klassiker von Shakespeare und eigene Stücke.
Neben dem “Sommernachtstraum” und “Romeo und Julia” stand auch schon “Momo” nach Michael Ende im Programm. Zu den eigenen Stücken der “Brudergässler” zählen “Ein Tag wie jeder andere” – eine heitere, aber auch nachdenkliche Darstellung des morgendlichen Alltags in der Wohnstätte – und ein Stück zur Geschichte des Hauses:

“Steine im Wandel der Zeit”.

Gruppenleiterin Angela Jaekel wählt die Stücke aus, überarbeitet die klassischen Vorlagen – oder schreibt sie eben komplett neu. Derzeit arbeitet sie an den Texten für den dritten Teil des “Mondsteinmärchens”, einer wunderbaren Geschichte über die Kraft der Märchen von Roland Kübler.
Anfang Februar wollen die “Brudergässler” mit den Proben für das neue Stück beginnen. Einmal pro Woche, am Abend nach Schule oder Arbeit, wird fast zwei Stunden lang geübt.

Erster Auftritt 2015 im April zum Jubiläum

Am 25. April, zum 10-jährigen Jubiläum der Wohnstätte, steht der erste Auftritt an – im Saal auf der anderen Seite der Brudergasse, beim alljährlichen Fest für die Eltern und Betreuer.

Vor rund neun Jahren war die Idee entstanden, solch ein Fest zu veranstalten – und dafür ein richtiges Theaterstück einzustudieren, mit Bühnenbild, Kostümen und Kulissen. Akteure wie Zuschauer hatten daran so großen Spaß, dass daraus eine Tradition wurde. Die Gruppe tritt den Sommer über in Diakonie-Stätten und verschiedenen Kirchen auf.
Doch das Theaterspiel ist viel mehr als nur Zeitvertreib oder Vergnügen – es ist eine Therapie. “Die Mitglieder”, so hat es Angela Jaekel beobachtet, “sind dadurch selbstsicherer und selbstbewusster im Umgang mit sich selbst und anderen geworden”.

Vor fünf Jahren nahmen die “Brudergässler” mit dem klassischen Shakespeare-Stück “Romeo und Julia” erstmals am Schülertheater-Treffen in Rudolstadt teil und gehören nun auch zum Thüringer Theaterverband, der Amateur-Ensembles mit Kursen unterstützt.

Einer der Mitglieder der “Brudergässler” ist Christian Schröter. Der 25-Jährige ist geistig behindert, findet durch die Rollen, in die er schlüpft, zu sich selbst, kann sich ausprobieren, erfährt Reaktionen, die ihm helfen, sich im Leben zu orientieren.

Die Betreuer der Theatergruppe um Angela Jaekel investieren viel Zeit und Geduld in das Projekt. Drehbücher, Kostüme und Requisiten entstehen meist in mühsamer Handarbeit. Doch gute Technik, etwa eine Tonanlage mit Mikrofonen, kann man nicht selber bauen. “Thüringen hilft” unterstützt die “Brudergässler” deshalb mit 2500 Euro

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