Barrierefreiheit hat viele Gesichter Barrierefreiheit ist weit mehr als eine Rampe für Rollstuhlfahrer.

Welche Facetten ein barrierefreies Leben bietet, zeigt das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit (BKB) mit seiner Tagung "Vielfalt der Barrierefreiheit“.

Sein Ziel ist es, das Behindertengleichstellungsgesetz umzusetzen. "Dies kann aber nur erreicht werden, wenn wir betroffene Menschen in unsere überlegungen einbinden“, sagt Andreas Bethke in seiner Begrüßungsrede.

Der Vorsitzende des BKB macht darauf aufmerksam, dass sich die individuellen Anforderungen an Barrierefreiheit mitunter sogar widersprechen können.

Klassisches Beispiel ist die Bordsteinkante: Der Rollstuhlfahrer wünscht sich am besten gar keine. Für eine blinde Person kann der Bordstein hingegen gar nicht groß und deutlich genug sein.

Dass dies nur ein Beispiel von vielen ist, zeigt die Vorstellung sieben exemplarischer Projekte, die das BKB seit September 2009 betreut.

Eines der Themen waren die Zielvereinbarungen in Rheinland-Pfalz: Anna Schädler von der LAG Selbsthilfe Rheinland-Pfalz macht darauf aufmerksam, dass potentielle Partner oft davon ausgehen, dass neben der Verantwortung auch eine Menge Kosten auf sie zukommen.

Schädler fordert allerdings: "Man sollte nicht danach fragen, wer die Kosten übernimmt, sondern viel mehr an die Chancen denken. So eine Zielvereinbarung kann einen echten Imagegewinn für das jeweilige Unternehmen bedeuten.

Bieten Supermärkte neben behindertengerechten Toiletten nämlich auch besser erreichbare Scanner und Gemüsewaagen oder Lupen für Sehbehinderte an, ist davon auszugehen, dass Kunden mit Handicap gerne wiederkommen.

Der Aspekt der Kundenbindung spielt nicht nur im Supermarkt eine Rolle.

"Viele Internetseiten erreichen potentielle Nutzer nicht, weil sie in ihrer Konzeption Kunden der Generation 50plus oder Kunden mit Behinderung nicht berücksichtigen“, weiß Carsten Kaul von "barrierefrei informieren und kommunizieren“. Er untersuchte Online-Shops, touristische Buchungssysteme sowie Webseiten mit Auskunfts- und Fahrplanfunktion auf ihre Barrierefreiheit.

Sein Fazit: Viele scheitern schon allein deswegen, weil etwa Formularinhalte bei Bestellungen oder Onlinebanking zu schnell gelöscht werden oder einzelne Funktionen generell Probleme machen. "Da kommt kein Kunde gerne wieder – egal ob mit oder ohne Behinderung“, sagt Kaul. Dabei wäre es gar nicht so schwierig, auch diese Kundschaft zu erreichen.

Von Kaul befragte Internetdienstleister schätzen den für Barrierefreiheit nötigen Mehraufwand auf unter 15 Prozent. "Auch wenn in den letzten Jahren schon viel passiert ist im Internet, sind selbst die großen Anbieter nicht barrierefrei, höchstens barrierearm“, fasst Kaul zusammen. Er gibt sich jedoch optimistisch und hofft, dass immer mehr Dienstleister und Anbieter verstärkt auf barrierefreie Angebote im Sinne ihrer Nutzer setzen.

Nadine Lormis
REHACARE.de

Für Sie recherchiert:
Ihr behindert-barrierefrei Team
Willi Lang

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