Ärger mit Busfahrer: Radlerin will für Rollstuhlfahrerin keinen Platz machen

Im Bus wird es schon mal eng. Insbesondere dann, wenn mehrere Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstühlen, Rollatoren, Einkaufstrolleys oder Fahrrädern zusteigen. Aber wer hat dann ein Vorrecht auf den hart umkämpfen Platz im Bus? Diese Frage erhitzt in einem Bus die Gemüter.

Aber von vorne: Eine 46-jährige Radfahrerin wollte den Rückweg mit dem Bus absolvieren, weil ihr die Route in der Dämmerung zu unsicher erschien. Um 20.41 Uhr bugsierte sie ihr Rad also  in einen Wagen der Linie 1. In der Folge stiegen zwei Mütter mit Kinderwagen zu. Als an der nächsten Haltestelle eine Rollstuhlfahrerin ebenfalls in den Bus wollte, bat der Fahrer die Radlerin, Platz zu machen und den Rest des Weges auf zwei Rädern fortzusetzen.

Fahrer und Kundin stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Die 46-Jährige Radfahrerin hatte dafür wenig Verständnis. „Wer zuerst kommt, mahlt schließlich zuerst“, erklärte die auch rund zwei Wochen nach besagtem Sonntag noch immer aufgebrachte Dame gestern. „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht aussteigen werde.“

Im Gespräch mit dem Fahrer ergab dann offenbar ein Wort das andere. Beide standen sich unversöhnlich gegenüber. Eine Mutter mit Kinderwagen ergriff schließlich die Initiative, stieg aus und machte für die Rollstuhlfahrerin Platz.

Aber hätte nicht eher die Radlerin den Bus verlassen müssen? „Die Kundin war in dieser Situation im Recht. Weil sie ein Ticket gekauft hat, musste sie bis zu ihrem Zielort befördert werden“, erklärte die Stadtwerke-Sprecherin. Die 46-Jährige hätte demnach auf Kompensation pochen können, falls sie hätte aussteigen müssen. „Der Busfahrer hat aus unserer Sicht moralisch aber richtig gehandelt.“ Demnach sei es für Radfahrer in der Regel eher vertretbar, auf den nächsten Bus zu warten oder mit dem Rad ans Ziel zu kommen.

Eingeschränkte Personen haben Vorrang

Ohnehin anders gehandhabt wird die Situation, wenn Radler und Rollstuhlfahrer gleichzeitig einsteigen wollen und nur noch ein Platz frei ist. In den Beförderungsbedingungen für die Verbund- und Gemeinschaftstarife in NRW ist dazu Folgendes notiert: „Fahrräder werden generell nur dann befördert, wenn die vorhandenen Kapazitäten und die Platzsituation dies zulassen. (…) In der Mobilität eingeschränkte Personen haben Vorrang vor Radfahrern.“ Dem Personal sei die Entscheidung vorbehalten, ob noch Platz zur Verfügung steht. Ein Anspruch auf Beförderung von Fahrrädern bestehe nicht.

Übrigens: Wenn der für sie vorgesehene Platz im Bus bereits besetzt ist, komme es öfter vor, dass Rollstuhlfahrer stehengelassen werden. „Die haben dafür fast immer Verständnis. In solchen Fällen erfolgt die Absprache mit dem Busfahrer meistens per Handzeichen“.

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Christian Trützler
    2. September 2019 22:36

    Letzten Donnerstag habe ich sogar erleben müssen, dass das im Mehrzweckbereich angekettete Fahrrad dem Busfahrer gehört. Er hat mich zwar mitgenommen, aber ich stand mit meinem Rolli halb im Gang. Der Bus war so leer, dass der Fahrer es im hinteren Teil des Gelenkbusses hätte anketten können.

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  • aus dem grund fahre ich keinen bus oder mit der bahn, man muß warten dann ist keiner da der hilft dann ist es so eng, ausserdem darf ich mit meinem e- scooter eh keine busse fahren. meiner meinung nach wird der weg zum eigenen auto auch nicht voran getrieben, wenn das “persönliche Budget” persönliches Geld sein soll womit man als behinderter planen soll/kann? dann sollte man es auch tun und nicht das budget in verbindung mit einer Asisstenz stellen (sie brauchen keine Assistenz, dann bekommen sie auch kein budget. es heist doch immer selbsbestimmt leben, wenn ich den behinderten aber vorschreibe wie sie zu leben haben (in den Wohnheimen/Werkstätten) dann können sie auch nicht Erfahren was im Leben geht und wo die Grenzen sind. Ich möchte den Leuten die Asistenz brauchen usw. nicht ausreden jeder sollte das bekommen was er/sie braucht oder einen weiter bringt. mir würde das persönliche Budget/Asisstenz nichts bringen dafür ist mir der verwaltungsaufwand zu groß, mit persönlichem Geld hat das budget nicht zu tun. das ist so ein /Kontroll und Blend Gesetz der Regierung. das ist meine meinung.

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  • Ja, solches Verhalten trifft man in einigen Situationen als Rollifahrer:
    Anstehen in einer Schlange (oh ich dachte Sie stehen nicht an), Türen, Aufzüge (oh ich darf doch mal eben), im Gedränge tritt häufig ein Geher einfach vor den rollenden Rollstuhl (im Glauben: ich bin schneller) und bremst diesen dadurch aus, Bei Begrüßungen gibt es immer wieder diejenigen, die den Rollifahrer gar nicht oder zuletzt begrüßen. Auch die besetzten Parkplätze, Benutzen der Rolli-WC’s von Gesunden.

    Dem Gegenüber stehen aber alle die, die höflich umsichtig und mit Rücksicht und Aufmerksamkeit mit uns Rollifahrern umgehen. Denen danke ich immer sehr!

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