ägypten für alle – barrierefreier Urlaub im Land der Pyramiden

Behindertenreisen bilden inzwischen einen wichtigen Teilmarkt des internationalen Fremdenverkehrs. Im Jahre 2007 etwa waren weltweit nicht weniger als 180 Millionen behinderte Menschen als Touristen unterwegs.

Gleichwohl gibt es viele Länder, die dieses touristische Potential nur unzureichend ausschöpfen – oder weniger “wirtschaftszentriert” ausgedrückt: deren touristische Attraktionen für Menschen mit Behinderungen zumindest teilweise unzugänglich sind.

Zu diesen Ländern gehört auch ägypten. Ahmed Al-Khadem, der ehemalige Vorsitzende der “Egyptian Tourist Authority” (ETA), fordert daher eine gründliche wissenschaftliche Studie, die den potentiellen ökonomischen Wert dieses Tourismuszweiges für ägypten bestimmt und Möglichkeiten des Aufbaus einer barrierefreien Infrastruktur aufzeigt.

Eine kleine Bestandsaufnahme zum Thema “barrierefreier Tourismus in ägypten” konnte man bereits vor einigen Tagen in der Zeitung “Daily News Egypt” lesen.

Das Fazit des dortigen Berichts: Im letzten Jahrzehnt wurden in ägypten unverkennbare Fortschritte auf dem Weg zum “barrierenfreien Urlaubsland” erzielt. Gleichwohl bleibt noch viel zu tun.

ägyptens kulturelle Stätten – noch am besten zugänglich

Die am besten zugänglichen Reiseziele in ägypten sind seine weltberühmten kulturellen Stätten (Pyramiden von Gizeh, Luxor, Karnak, Tal der Könige etc.) – wenngleich auch hier keine völlige Barrierefreiheit herrscht.

Dies geht u. a. aus Erfahrungsberichten behinderter ägypten-Urlauber hervor (siehe Daily News Egypt). Gezielte behindertenfreundliche Maßnahmen haben ihren Teil zur Verbesserung der Situation beigetragen.

Rollstuhlfahrer, die vor Ort alles oder wenigstens das meiste besichtigen wollen, sind gleichwohl weiterhin auf die Hilfe von Reisebegleitern oder Mitreisenden angewiesen – zumindest in der Regel. Der für ägyptens kulturelle Stätten zuständige “Supreme Council of Antiquities” (SCA) soll bereits an weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit arbeiten.

Wo die Barrieren liegen

Ein anerkannter Experte für barrierefreien Tourismus ist Sherif El-Hendi. El-Hendi war 1999 einer der Gründer von “Egypt for all”, einem der wenigen ägyptischen Anbieter für Behindertenreisen. “Egypt for all” ist Partner des deutschen Spezialanbieters Grabo-Tours.

Auch El-Hendi konzediert die Fortschritte, die ägypten auf dem (langen) Weg zum barrierefreien Urlaubsland bereits erzielt hat. Dies betreffe neben den kulturellen Stätten u. a. die Flughäfen. Gleichwohl weiß El-Hendi viele Missstände und Versäumnisse aufzuzählen.

So sei der ägyptische Abenteuertourismus (Tauchen, Safaris) für behinderte Menschen noch weitgehend verschlossen.

Ein besonders ärgerliches Problemfeld ist laut El-Hendi der Beherbergungssektor. Barrierefreie Zimmer gebe es fast nur in ägyptens 5-Sterne-Hotels, was den Urlaubsaufenthalt für behinderte Menschen teuer mache. ägyptens Gesetze legen eigentlich fest, dass jedes Hotel 5% barrierefreie Zimmer bereitstellen soll. Offensichtlich wird dies aber nicht befolgt.

Ein weitere Missstand laut El-Hendi: Von den 350 Nilkreuzfahrtschiffen, die zwischen Luxor und Assuan verkehren, verfügt nur ein Schiff, nämlich die Amarco I, über barrierefreie Kabinen.

Auch behinderte Menschen, die Kairo oder andere Großstädte erkunden wollen, hätten es schwer. Ohne einen ständigen Begleiter sei dies z. B. für Rollstuhlfahrer praktisch unmöglich.

Daneben gibt es laut El-Hendi viele Detailprobleme. So könne die im Tal der Könige eingesetzte Mini-Eisenbahn für Touristen von Rollstuhl-Fahrern nicht genutzt werden. Trotzdem stehe es “Epypt for all” nicht ohne weiteres frei, vor Ort seine barrierefreien Spezialautos einsetzen.

Auch über diesen Fall hinaus seien “Papierkriege” und lange Schlagen, z. B. an Flughäfen oder Ticket-Schaltern, weiterhin ein Problem.

El-Hendi fordert – wie viele andere Experten – vermehrte Investitionen in eine barrierefreie Infrastuktur. Zudem seien Medienkampagnen nötig, um ein öffentliches Bewußtsein für die Problematik zu schaffen. Wie etwa Nashwa El-Sherif, ein Kairoer Professor für Tourismus, betont, hat die in ägypten noch immer anzutreffende Ignoranz gegenüber dem Thema Barrierefreiheit z. T. tiefere kulturelle Wurzeln.

Ferner (und nicht zuletzt!) wünscht sich El-Hendi mehr ägyptische Veranstalter, die gezielt Behindertenreisen anbieten.
Hotels mit barrierefreien Zimmern 4- oder 5-Sterne Hotels in ägypten, die barrierefreie Zimmer anbieten.
Von: urlaub-im-web.de

Kairo
Am Nil: Semiramis Intercontinental und Conrad. An den Pyramiden: Le Meridien Pyramids.

Luxor
Am Nil: Steigenberger und Sheraton.

Hurghada
Continental.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Frank Ohnemus
    15. Februar 2020 9:38

    Hallo,unser Sohn ist ein aktiver Rollstuhlfahrer und begeisterter Schwimmer und Taucher.Frage: Gibt es am roten MeerÄgypten einen Strandrollstuhl((breite Reifen),damit man direkt ins Wasser fahren,ind dort aussteifen kann?!
    Bin gespannt auf eine Nachricht.
    Frank

    Antworten
  • Martin Wolkerstorfer
    30. Dezember 2018 2:13

    In Hurghada ist das Siva Grand Beach Hotel – bis auf ein paar zu steile Rampen, die man aber umfahren oder mit Hilfe bewältigen kann – barrierefrei. Man nehme eine der Junior Suiten im Parterre, die Tür zum Bad ist allerdings nur etwa 70 cm breit – wenn man die Tür aus hängt. Es ist nur eine Sitzbadewanne vorhanden, eine barrierefreie Dusche gibt es nicht, aber wenn man ein Brett über die Badewanne legt ist auch das duschen machbar. Kalte Duschen gibt es mehrere im Gelände, sie sind auch mit dem Rollstuhl benutzbar.

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  • Gerald Brandt
    14. November 2018 2:37

    Ein interessanter Beitrag. Ich als Rollinutzer würde gerne einmal da Grab von Tutanchamun besuchen. Vor einigen Jahren hat der Anthropologische Anzeiger einen Artikel von mir veröffentlicht, in dem ich die Theorie aufstelle, dass Tutanchamun (und sein Vater Echnaton) mit der Erkrankung HPP lebten. Und ich würde gerne einmal die Mumie selbst in Augenschein nehmen, und vielleicht sogar meine Theorei mit ägyptischen Experten vor Ort diskutieren. Deshalb finde ich es schade, dass die Länder Nordafrikas bis heute so wenig auf rollstuhlnutzende Besucher eingerichtet sind.

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    • Martin Wolkerstorfer
      30. Dezember 2018 2:43

      Vorschlag: Versuchen Sie doch, zumindest Fotos der Knochen des Pharaos, falls die überhaupt zugänglich sein sollten, zu erhalten, und fragen Sie dazu beim ägyptischen Kulturministerium nach. Abgesehen davon, bezweifle ich, dass hier der richtige Ort für eine archäologisch-medizinische Diskussion ist.

      Antworten

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